Arbeitslosigkeit und Armut : Griechenland kann nicht mehr

Das neue griechische Sparpaket wird die Situation der Familien nach Einschätzung der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weiter verschlimmern. Besonders dramatisch ist die Lage der Kinder.

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Ein obdachlose Frau bettelt in Athen um Geld.
Ein obdachlose Frau bettelt in Athen um Geld.Foto: dpa

Die – fast – vergessene Krise: Griechenland. Hier sei jetzt daran erinnert, auch weil es gerade die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer tut, die von ihren Flyern wohl jeder in Deutschland kennt.

Das neue griechische Sparpaket wird die Situation der Familien nach Einschätzung der SOS-Kinderdörfer weiter verschlimmern. Ein Grund sei, dass Kürzungen nicht allein die Rentner betreffen, sondern alle. Häufig leben ganze Großfamilien von der Pension der Großeltern.

Und so ist die Lage insgesamt: Viele Menschen haben seit Jahren kein festes Einkommen. Zu Beginn der Krise 2009 konnten sie noch Sozialleistungen beantragen. Doch ihre Lage wird immer verzweifelter, weil es keine Zuschüsse mehr gibt und ihre Ersparnisse aufgebraucht sind. Die Familien leiden schwer unter Arbeitslosigkeit und Armut. Offiziell liegt die Arbeitslosenrate bei knapp 27 Prozent. Die Zahl der Scheidungen, Depressionen und Selbstmorde hat stark zugenommen.

Knapp ein Drittel aller Griechen hat keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Das öffentliche Gesundheitssystem ist praktisch zusammengebrochen. Zahlreiche Familien sind zum Beispiel nicht mehr in der Lage, Impfungen für ihre Kinder zu bezahlen.

Die Kinderarmutsrate hat sich mehr als verdoppelt

In Griechenland leben ungefähr 1,9 Millionen Menschen unter 18 Jahren. Die Kinderarmutsrate hat sich mehr als verdoppelt: Mittlerweile sind es 40 Prozent. Verwahrlosung, Missbrauch und Gewalt gegen Kinder nehmen zu. Da bitten immer mehr Familien SOS-Kinderdörfer um Hilfe. Nicht zuletzt wegen der Betreuung von Kleinkindern. Wenn trotz aller Unterstützung Kinder nicht bei ihren leiblichen Familien leben können, finden sie in den SOS-Kinderdörfern im thrakischen Alexandroupolis, auf Kreta, in Plagiari nahe Thessaloniki und in Vari ein neues Zuhause.

Die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer arbeitet seit 1975 in Griechenland. Um den Folgen der Finanzkrise zu begegnen, wurden bisher sieben „Familienstärkungsprogramme“ aufgelegt. Zwei Jugendprogramme und vier Kinderdörfer unterstützen Tausende. Seit 2015 kommt Nothilfe für Flüchtlingsfamilien und -kinder hinzu.

Noch einmal zur Krise: Zu Beginn des Konjunktureinbruchs 2010 zählte Griechenlands Staatsverschuldung zu den höchsten unter den Mitgliedsländern der EU. Die Athener Regierung erhielt Rettungspakete von EU und Internationalem Währungsfonds, unter der Bedingung, dass sie sowohl an öffentlichen Ausgaben spart als auch die Steuern erhöht. Bis 2015 war die Wirtschaft auf ein Viertel ihrer früheren Leistung geschrumpft, die Staatsverschuldung auf mehr als 300 Milliarden Euro gestiegen.

Gegenwärtig ist Griechenlands Zukunft weiter ungewiss. Dass sich die griechische Wirtschaft kurzfristig oder auch nur wie angestrebt bis 2025 erholt, erscheint ausgeschlossen.

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