Armee als "Friedensmotor" : Gauck würdigt Auslandseinsätze der Bundeswehr

Die Deutschen sind kriegsmüde, eine Mehrheit von ihnen lehnt den Einsatz in Afghanistan ab. Nun meldet sich Bundespräsident Joachim Gauck zu Wort und bittet um mehr Verständnis für die deutschen Auslandseinsätze. Die Bundeswehr sei ein "Friedensmotor".

Bundespräsident Joachim Gauck weiß um die Macht der Bilder. Bei seiner Rede in der Führungsakademie der Bundeswehr fasst er die Deutschlandfahne an.
Bundespräsident Joachim Gauck weiß um die Macht der Bilder. Bei seiner Rede in der Führungsakademie der Bundeswehr fasst er die...Foto: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Bundeswehr am Dienstag als „Friedensmotor“ gewürdigt. Bei seinem Antrittsbesuch in der Hamburger Führungsakademie bezeichnete er militärische Gewalt zwar als ein Übel. „Aber sie kann - solange wir in der Welt leben, in der wir leben, notwendig und sinnvoll sein, um ihrerseits Gewalt zu überwinden oder zu unterbinden“, sagte Gauck. Die Soldaten lobte er als „Mut-Bürger in Uniform“.

Frieden, Freiheit und Achtung der Menschenwürde entstünden nicht von allein, das wüssten gerade die Deutschen, denen einst ausländische Soldaten die Möglichkeit der Freiheit geschenkt hätten. Auf dem Balkan, in Afghanistan und vor Somalia sei die Bundeswehr heute im Einsatz gegen Terror und Piraten. Sie trage zur Lösung von Konflikten bei, und schaffe friedliche Koexistenz, wo Hass regiere. Auf die geplanten Standortschließungen im Rahmen der Bundeswehrreform ging Gauck nicht ein.

Der Bundespräsident wurde in der Führungsakademie von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) mit militärischen Ehren begrüßt. Beide schritten eine Ehrenkompanie des Wachbataillons ab. Rund 100 Kinder des evangelischen Kindergartens in der Bundeswehreinrichtung hatten sich aufgestellt und überreichten dem Bundespräsidenten selbst gebastelte Papier-Blumen.

Die Vereidigung von Joachim Gauck in Bildern

Vereidigung von Joachim Gauck
Vorwärts für Deutschland: Am Schloss Bellevue wird der Bundespräsidenten mit militärischen Ehren empfangen.Weitere Bilder anzeigen
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23.03.2012 16:20Vorwärts für Deutschland: Am Schloss Bellevue wird der Bundespräsidenten mit militärischen Ehren empfangen.

Der Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Achim Lidsba, wertete Gaucks Besuch als Signal für die Arbeit der höchsten militärischen Ausbildungsstätte der Bundeswehr. Die Führungsakademie feierte am Dienstag „50 Jahre Internationaler Generalstabslehrgang“ - ursprünglich sollte Gaucks Vorgänger Christian Wulff zu der Veranstaltung kommen.

An der militärischen Studieneinrichtung in Hamburg werden seit 1957 Generäle, Admirale und Stabsoffiziere der Bundeswehr ausgebildet. An den Lehrgängen nehmen ständig mehr als 600 Soldaten teil, davon rund 100 ausländische Offiziere aus mehr als 50 anderen Nationen.

Das Leben von Joachim Gauck in Bildern

Gaucks Karriere nach der Wende
Herbst 89: Der damals 49-Jahre alte Joachim Gauck spricht während einer Fürbittandacht in der Marienkirche in Rostock. Der Pfarrer war, ist und wird von der evangelischen Kirche geprägt, in seinem Denken und Handeln.Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: dpa - Zentralbild / Siegfried Wittenburg
19.03.2012 14:50Herbst 89: Der damals 49-Jahre alte Joachim Gauck spricht während einer Fürbittandacht in der Marienkirche in Rostock. Der...

Der Rostocker Gauck erinnerte in seiner Ansprache daran, dass er in seinem Leben das Militärische als Begrenzung der Freiheit kennengelernt habe. Die „Volksarmee“ der DDR sei einer Partei verpflichtet gewesen, die sich nicht scheute, Soldaten auch gegen das Volk einzusetzen. Die Bundeswehr sei jedoch keine Parteienarmee, sondern eine „Parlamentsarmee“, deren Einsätze unter dem Vorbehalt der Volksvertreter stünden. „Diese Bundeswehr ist keine Begrenzung der Freiheit, sie ist eine Stütze unserer Freiheit.“ Der Aufbau der Bundeswehr sei ein Teil des „Demokratiewunders“, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen und vor mehr als zwei
Jahrzehnten auch im Osten des Landes vollzogen habe.

Die Soldaten schützten Freiheit und Sicherheit, Menschenwürde und das Recht jedes Einzelnen auf Unversehrtheit. Es müsse mehr über die Einsätze der Bundeswehr debattiert werden. (dpa)

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