Ashley Madison : Das Internet hat heimlich fremdgehen abgeschafft

Seitensprünge sind im digitalen Zeitalter nicht diskreter möglich als früher, im Gegenteil. Ein Kommentar zum Hack von "Ashley Madison".

von
Nein, so diskret, wie "Ashley Madison"-Chef Noel Bidermann auf diesem Bild suggeriert, war das Seitesprung-Portal nicht. Es wurde gehackt.
Nein, so diskret, wie "Ashley Madison"-Chef Noel Bidermann auf diesem Bild suggeriert, war das Seitesprung-Portal nicht. Es wurde...Foto: imago stock&people/Gustavo Goo

Fremdgehen? Ist durchs Internet viel leichter geworden. Pornos? Kommt durchs Internet jeder ran. Es ist so schön diskret, nicht?

Nein, ist es nicht. Denn eines gibt es auch hier nicht: die Gewissheit, unentdeckt zu bleiben. Das hat der Fall Ashley Madison gerade erneut gezeigt. Über die Webseite werden Seitensprünge vermittelt, es gibt sogar eine Affärengarantie und im Falle des Scheiterns das Geld zurück. Das Portal hat Millionen Kunden in 46 Ländern, auch in Deutschland. Kürzlich flogen sie auf. Hacker knackten die Server, in der Folge wurden Millionen Datensätze mit Namen, Mailadressen, Kreditkartendaten und sexuellen Vorlieben für jedermann einsehbar. Erste Reportagen über implodierte Ehen sind gedruckt, es soll sogar Selbstmorde gegeben haben. Gerade erst wurde bekannt, dass auch Mitglieder der EU-Kommission und des EU-Parlaments unter den Kunden waren.

Auch im Zeitalter von "Ashley Madison" sind Fremdgeher nie auf der richtigen Seite

Die Sache ist längst nicht ausgestanden. Was lehrt sie uns? Das Internet ist ein riesiges Gemeinschaftswerk. Was die einen beginnen, setzen andere fort. Bei Ashley Madison kamen erst die Hacker, dann die Erpressungsversuche durch Dritte, dann gelangten die Daten vom verschlüsselten ins offene Internet. Der Mensch ist gläsern. Er hinterlässt überall Datenspuren – sein Handy klinkt sich in Funkzellen, er loggt sich an fremden Computern in seinen Mailaccount ein, er zahlt mit Kreditkarte. Hinzu kommt das Cloud Computing: Dem praktischen Vorteil, seine Urlaubsfotos nicht ständig auf neue Datenträger übertragen zu müssen, steht der Nachteil gegenüber, dass die Daten auf fremden Servern liegen. Sie sind hackbar, der Mensch je nach Motiv oder Inhalt erpressbar. Regelmäßig tauchen Nacktbilder von Promis im Internet auf, die aus der Cloud gezogen wurden.

Es kann zudem, je nach Standort des Servers, zum Problem werden, die eigenen Rechte zu verfolgen. In einem Land ist erlaubt, was in anderen datenschutzrechtlich verboten ist. Selbst wenn der Internetnutzer nichts speichert, kann das seine Ehe ruinieren – man erinnere sich an den Fall Redtube vor einem Jahr. Damals wurden Internetnutzer wegen angeblich rechtswidrigen Klickens auf die Pornoseite Redtube abgemahnt. Hier taten die Richter noch ihr Übriges, weil sie das Streamen als Urheberrechtsverletzung ansahen und Tausende von Daten den Abmahnern freigaben. Der EuGH hat hier mittlerweile Klarheit zugunsten der Nutzer geschaffen.

Der Datenschutzbeauftragte gilt allgemein als Spaßbremse, doch er hat recht: Viele Menschen gehen zu sorglos mit ihren Daten um. Manchmal verlieren sie dadurch nur Geld, manchmal ihre Familie. Fremdgeher sind nie auf auf der sicheren Seite. Wer sein Risiko minimieren will, sollte aus der Telefonzelle anrufen, das Hotelzimmer bar bezahlen und nicht mit dem Carsharing-Auto hinfahren.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben