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Asylunterkunft im hessischen Dreieich : Gezielter Angriff: 23-jähriger Flüchtling angeschossen

Schüsse auf ein Asylheim in Dreieich: Ein schlafender 23-jähriger Flüchtling wird verletzt. Laut Staatsanwaltschaft war es ein "gezielter Angriff".

von und Claudia Cohnen-Beck
Die Flüchtlingsunterkunft in Dreieich war noch am Montagmorgen weitläufig abgesperrt.
Die Flüchtlingsunterkunft in Dreieich war noch am Montagmorgen weitläufig abgesperrt.Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

In der Nacht zum Montag sind an einer Flüchtlingsunterkunft in Dreieicher Stadtteil Dreieichenhain Schüsse gefallen. Über das Motiv der Tat war zunächst nichts bekannt. Ein 23-jähriger Flüchtling sei leicht verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher.

Im Polizeibericht heißt es: "Kurz vor 2.30 Uhr wurden auf ein Fenster des Gebäudes mehrere Schüsse abgegeben, von denen einer den dort Schlafenden leicht verletzte. Der Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht und konnte dies nach kurzer ärztlicher Behandlung wieder verlassen. Die Kriminalpolizei hat das Gelände um die Unterkunft abgesperrt und die sofortigen Ermittlungen aufgenommen." Hinweise über den oder die Täter sowie ein mögliches Motiv lägen derzeit noch nicht vor.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt schloss einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus. "Wir ermitteln aber in alle Richtungen", sagte Behördensprecherin Nina Reininger dem Tagesspiegel. Bisher gebe es keinen Hinweis auf die Motivlage. Reininger ergänzte, die Ermittler gingen von einem "gezielten Angriff aus". Dies ergebe sich daraus, dass die Schüsse durch das Fenster abgeben worden seien. "Die Ermittlungen laufen. Neue Erkenntnisse haben wir derzeit noch nicht gewinnen können."

Ein 27 Jahre alter Syrer, der in dem Heim wohnt, sagte hessenschau.de, eine vermummte Gestalt habe gezielt sechs bis sieben Mal mit einer Handfeuerwaffe geschossen.

"Bild"-Reporter Max Schneider berichtete auf Twitter, die Polizei habe Neun-Millimeter-Patronenhülsen am Tatort gesichert. Mordkommission und Landeskriminalamt würden ermitteln.

In Dreieich sind derzeit 430 Flüchtlinge untergebracht, wie eine Sprecherin der Stadt "Zeit online" sagte. Ein Teil der Menschen sei in zwölf größeren Einrichtungen untergebracht, in denen jeweils 15 bis 30 Flüchtlinge wohnen würden. Der Rest lebe in Wohnungen in der Stadt. Die betroffene Unterkunft in der Gleisstraße beherberge derzeit 30 Personen in zwei räumlich getrennten Bereichen: In dem Teil des Hauses, der beschossen wurde, leben 14 Männer aus Syrien und einer aus Afghanistan. Im zweiten Gebäudeteil seien Familien untergebracht.

Probleme bei der Aufnahme oder Beschwerden der Bevölkerung habe es nicht gegeben. "Absolut positiv" seien die Erfahrungen bislang, es gebe ein großes ehrenamtliches Engagement der Bürger.

Die Polizei rief Zeugen, die zur Tatzeit oder auch in den Tagen zuvor verdächtige Beobachtungen gemacht haben und Hinweise auf den oder die Täter geben können, auf, sich mit der Kriminalpolizei in Offenbach unter der Telefonnummer 069/8098-1234 in Verbindung zu setzen.

Linken-Parteichef Bernd Riexinger schrieb unter Hinweis auf den Vorfall auf Twitter: "Spirale der Gewalt macht Angst. Feige Täter mit allen Mitteln des Rechtsstaats verfolgen. Unterkünfte besser schützen." Ähnlich äußerte sich Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Er twitterte, es dürfe nicht zugesehen werden, wie sich die Spirale der Gewalt weiter drehe. Der Rechtsstaat dürfe und werde das nicht hinnehmen.

Im April 2015 waren in Hofheim (Main-Taunus-Kreis) mehrere Schüsse mit einer Gaspistole auf eine Asylbewerberunterkunft abgegeben worden. Die Staatsanwaltschaft erhob deswegen im November Anklage gegen einen 20 Jahre alten mutmaßlichen NPD-Sympathisanten.

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