Atomendlager Asse : Ein neuer Schacht

Um den radioaktiven Müll aus dem porösen Salzstock herauszuholen, braucht das alte Bergwerk Asse bei Wolfenbüttel einen weiteren Schacht.

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Zwei Männer zeigen auf einen Riesen-Bohr-Kran
Mit diesem Bohrer soll in den kommenden sechs Monaten erkundet werden, ob der richtige Standort für einen weiteren Schacht ins...Foto: dpa

Am Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel haben Erkundungsbohrungen für einen neuen Schacht begonnen. Durch ihn sollen die radioaktiven Abfälle heraus geholt werden – sofern die vom Bundesamt für Strahlenschutz geplante und von den politischen Akteuren im Bund und im Land auch gewollte Bergung denn klappt.

 Bislang können Menschen und Material nur über den Hauptschacht zwei transportiert werden. Darüber wird die Grube auch belüftet. Für Notfälle steht der schmale Schacht vier zur Verfügung. Zwei Nachbarschächte des Bergwerks – Schacht eins und Schacht drei – waren schon vor Jahrzehnten voll Wasser gelaufen. Trotzdem wurden zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit Atommüll sowie chemische Abfälle in das ehemalige Salzbergwerk Asse 2 gebracht.

Die 17 Meter hohe und fast 50 Tonnen schwere Bohranlage war am 22. Mai angeliefert und in einem zuvor gerodeten und mit 3000 Tonnen Schotter befestigten Waldstück aufgebaut worden. Der 1600 Quadratmeter große Bohrplatz liegt etwa 500 Meter vom Schacht zwei entfernt. Die Arbeiten sollen ein halbes Jahr dauern, bis November soll der Bohrer eine Tiefe von knapp 800 Metern erreicht haben.

Während des Bohrprozesses werden alle zehn Zentimeter Gesteinsproben entnommen und von Geologen untersucht. Zudem sind geophysikalische Messungen und hydraulische Tests geplant, durch die sich die Experten unter anderem Aufschluss über die unterirdischen Wasserzuflüsse erhoffen. Erst zum Jahresende kann entschieden werden, ob der Schacht fünf an der jetzt untersuchten Stelle gebaut wird oder ob weitere Probebohrungen nötig sind. Für die Bohrung sind bislang Kosten in Höhe von knapp zwei Millionen Euro veranschlagt, rund 300 000 Euro hatte bereits die Vorbereitung des Bohrplatzes gekostet.

Derweil bahnt sich Streit um die Standortsuche für ein Zwischenlager an, in dem die aus der Asse geborgenen Abfälle zunächst gelagert werden sollen.  Während das Bundesamt für Strahlenschutz als Betreiber der Anlage eine „standortnahe Lösung“ bevorzugt, um längere Transportwege zu vermeiden, fordern Anwohner und Bürgerinitiativen, dass auch andere Standorte geprüft werden müssten. „Hochradioaktiver Müll wird in Deutschland durch das ganze Land transportiert, aber bei schwach- und mittelradioaktiven Müll, der zudem neu verpackt ist, hat das BfS Bedenken“, heißt es beim Asse-2-Koordinationskreis.

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