Atomgespräche mit Iran : Alle zurück an den Verhandlungstisch

Die Kontrahenten im Atomkonflikt konnten sich bis zur gesetzten Frist nicht einigen. Nun gehen die Gespräche mit dem Iran in Lausanne in die Verlängerung. Die Materie ist komplex.

Jan Dirk Hebermann
US-Außenminister John Kerry (2. von links) mit Kollegen bei den Atomgesprächen in Lausanne
US-Außenminister John Kerry (2. von links) mit Kollegen bei den Atomgesprächen in LausanneFoto: Reuters/Brendan Smilowski/Pool

Verpasst: Der Iran und seine Gegenüber USA, China, Frankreich, Großbritannien, Russland und Deutschland haben mal wieder eine selbst gesetzte Frist nicht einhalten können. Bis Dienstag um Mitternacht wollten die Außenminister eine politische Einigung in dem jahrelangen Atomkonflikt erzielen, eine Gesamtlösung soll immer noch Ende Juni stehen. Bis in den Nachmittag klangen der Deutsche Frank-Walter Steinmeier und sein Kollegen zumindest nicht hoffnungslos.

Am Ort des Geschehens, im Hotel Beau Rivage-Palace in Lausanne, wurde ab dem frühen Abend darüber spekuliert, ob die Verhandlungsführer um 24 Uhr „die Uhr anhalten“. Diplomaten stoppen symbolisch die Uhr, wenn die Frist abgelaufen ist, sie aber nur noch ein wenig Zeit für eine Verständigung brauchen.

Deutliche Ansage der Amerikaner

Doch dann kamen die USA mit einem klaren Statement: Die Verhandlungen sollen am Mittwoch weitergehen. Wie lange das Feilschen um einen Kompromiss jetzt noch anhalten wird? Das blieb am Morgen unklar. Fest steht: Die Materie ist so komplex und so brisant, dass einfache Lösungen nicht zu finden sind. Immerhin gilt es, das weit vorangeschrittene Atomprogramm der Iraner zu entschärfen, zumindest für einige Jahre.

Die USA und ihre Partner wollen die Islamische Republik vom Bau der Bombe abhalten. Zu riskant wären die Nuklearwaffen in den Händen der Mullahs. Die gesamte nahöstliche Region könnte weiter destabilisiert werden, das globale System zur Nichtverbreitung würde irreparabel beschädigt.

Schwierige Gemengelage

Alles ist in diesen schier endlosen Gesprächen über Teherans Nuklearprojekt mit allem verbunden: Die Laufzeit des Vertrages, die Quantität und die Qualität der Zentrifugen zur Urananreicherung, die bekannten unterirdische Anlagen, das Schwerwasserprojekt, Forschung und Entwicklung, das Kontrollregime und die Aufhebung der Wirtschafts-, Finanz- und Rüstungssanktionen gegen Teheran. Und natürlich könne die innenpolitischen Unwägbarkeiten in den USA und im Iran eine entscheidende Rolle spielen.

Hoffnung durch Rückblick

In Lausanne trösteten sich die Unterhändler mit einem Blick in die Vergangenheit: Im November 2013 schafften die sieben Länder es, sich auf eine Übergangsregelung zu einigen. Theoretisch könnten die Kontrahenten die Übereinkunft über ihr Laufzeitende am 30. Juni hinaus verlängern. Doch bietet die Übergangsregelung keinen umfangreichen, längerfristigen Schutz gegen das Streben der Iraner nach der Bombe.

Bundesaußenminister Steinmeier und seine Kollegen müssen also wieder an den Verhandlungstisch. Nach dem Ende der Frist ist vor dem Ende der Frist.

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