Atomkraftwerke : Verfehlte Debatte

Die Anti-Akw-Bewegung ist auf der Suche nach einer neuen Aufgabe: Beim Rückbau fordert sie jetzt den "sicheren Einschluss", anstatt die Anlagen direkt abzubauen. Kommentar über eine Schnapsidee.

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Der schleswig-holsteinische Umwelt- und Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) will den "sicheren Einschluss" verbieten.
Der schleswig-holsteinische Umwelt- und Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) will den "sicheren Einschluss" verbieten.Foto: Carsten Rehder/dpa

Robert Habeck will den „sicheren Einschluss“ von Atomkraftwerken verbieten. Das sagte der Umweltminister von Schleswig-Holstein, der 2017 als grüner Spitzenkandidat in den Bundestag einziehen will, bei einem Besuch in Krümmel. Er sagte das acht Tage bevor über der Atomruine in Tschernobyl mit dem neuen „Sarkophag“ ein tatsächlich sicherer Einschluss des havarierten Meilers erreicht werden soll. Aber beim Rückbau von Atomkraftwerken in Deutschland findet Habeck das sinnlos. Die Praktiker in den Atomkonzernen wollen die Anlagen auch lieber gleich rückbauen. Ihr wichtigstes Argument: Noch haben sie qualifizierte Mitarbeiter, die die Anlagen kennen.

Im Falle eines sicheren Einschlusses, also einer Abschirmung der Anlage über mehrere Jahrzehnte, gibt es dieses qualifizierte Personal nicht mehr. Die Anti-Atombewegung hat die Variante „sicherer Einschluss“ in jedes Anhörungsverfahren zum Rückbau von Atomkraftwerken eingebracht. Sie argumentiert, es sei sicherer, wenn die Radioaktivität in den Anlagen über längere Zeit abgeklungen sei. Wer die Anlagen dann in mehreren Jahrzehnten abbauen soll, weiß aber niemand. Es ist eine absurde Diskussion, die den Ausstieg aus der Atomenergie behindert statt beschleunigt. Der „sichere Einschluss“ muss vielleicht nicht verboten werden, sollte aber nicht praktiziert werden. Grafenrheinfeld oder Neckarwestheim sind nicht Tschernobyl.

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