Aufruf für neue Russland-Politik : Klaus von Dohnanyi: Unterschrift war Missverständnis

Der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg gehörte zu den prominentesten Unterzeichnern des Aufrufs für eine neue Russland-Politik. Jetzt spricht er von einem Missverständnis.

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Klaus von Dohnanyi (SPD)
Klaus von Dohnanyi (SPD)Foto: dpa

Der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg, Klaus von Dohnanyi (SPD), ist nach seinen eigenen Angaben und denen von Antje Vollmer, der Initiatorin des Aufrufs für eine neue Russland-Politik, fälschlicherweise auf der Liste der Unterstützer des Aufrufs gelandet. "Es gab ein Missverständnis zwischen meinem Sekretariat und den Initiatoren des Aufrufs, das ich bedauere", sagte Dohnanyi dem Tagesspiegel. Seine Sekretärin habe den Initiatoren ein falsches Signal auf die Anfrage gegeben und sich dafür auch entschuldigt. "Das kann passieren", sagte Dohnanyi. Er betonte gegenüber dem Tagesspiegel, dass er prinzipiell keine Aufrufe dieser Art unterschreibe, da man nie wisse, wie sie später von anderen genutzt und interpretiert würden.

Allerdings trage er inhaltlich auch Teile des Aufrufs mit. "Russland ist ein wichtiger Sicherheitspartner für Deutschland und ganz Europa, mit dem man in Dialog sein muss", sagte Dohnanyi, der auch Staatsminister im Auswärtigen Amt war. Die implizite Kritik an der Bundesregierung, die in dem Aufruf stecke, teile er allerdings definitiv nicht. "Die Bundesregierung muss unter schwierigen Umständen agieren. Einerseits muss sie mit Wladimir Putin reden und verhandeln, was schwierig ist, weil er wenig Kooperationsbereitschaft zeigt. Andererseits muss die Bundesregierung verschiedenste Positionen in Europa aber auch in Amerika unter einen Hut bekommen. Ich finde, dass diese schwierige Aufgabe derzeit gut gelingt", erklärte von Dohnanyi. Prinzipiell gelte: "In jedem Konflikt muss man versuchen, die Sicht beider Seiten im Auge zu behalten."

"Putin-Versteher" sind nicht gleichzeitig Putin-Befürworter

Dohnanyi, eine Art Elder Statesman der SPD, erläuterte bereits von einigen Monaten in einem Aufsatz in der FAZ seine Sicht auf die Ukraine-Krise. Dabei führte er unter anderem aus, dass "Putin-Versteher" im Krim-Konflikt nicht gleichzeitig auch Befürworter seiner Politik seien. (Den ganzen Aufsatz können Sie hier nachlesen.)

Der Aufruf "Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!" fand großen Nachhall und ist von zahlreichen Prominenten wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Ex-Innenminister Otto Schily (beide SPD), der Ex-EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann und dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen (CDU), unterschrieben. Außerdem unterzeichneten den Aufruf weitere Prominente aus Kultur, Wissenschaft und Politik. (Den ganzen Aufruf können Sie hier nochmal nachlesen.)

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