Ausbau der Atomkraft? : Umweltministerin Hendricks kritisiert EU-Pläne

Die EU-Kommission will offenbar die Nutzung von Atomkraft stärken - und stößt dabei auf Widerstand aus Deutschland. "Das ist eine verrückte und unverantwortliche Idee“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Dampf steigt in Belgien aus den Kühltürmen des Atomkraftwerks Doel auf.
Dampf steigt in Belgien aus den Kühltürmen des Atomkraftwerks Doel auf.Foto: dpa

In der Debatte über eine Stärkung der Atomkraft in Europa wendet sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) scharf gegen entsprechende Pläne der EU-Kommission. „Das ist eine verrückte und unverantwortliche Idee“, sagte Hendricks der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ . Es sei ein Irrtum, „zu glauben, man könne mit noch mehr Atomkraft das Klima retten“.

Klimaschutz brauche die Wende zu erneuerbaren Energien, sagte Hendricks weiter. Nicht gebraucht werde „ein Festhalten an einer veralteten und zudem kostspieligen Technologie, mit deren Nutzung wir viele Generationen nach uns unumkehrbar belasten“. Die Ministerin hält sich nach Angaben der Zeitung zurzeit in Japan auf, um sich dort über die Situation nach der Atomkatastrophe von Fukushima zu informieren.

Die EU-Kommission will nach Medienberichten die Nutzung von Atomkraft stärken. Laut einem Strategiepapier sollen dazu die Mitgliedstaaten bei der Erforschung, Entwicklung, Finanzierung und dem Bau innovativer Reaktoren stärker kooperieren. Mit der Initiative sollen nach Ansicht von Experten die Ziele zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes in der EU erreicht und zugleich die Abhängigkeit von russischem Gas verringert werden.

EU will offenbar "technologische Vorherrschaft im Nuklearsektor verteidigen"

Die EU-Kommission setzt einem Medienbericht zufolge auf Atomkraft. Die Europäische Union wolle ihre technologische Vorherrschaft im Nuklearsektor verteidigen, heißt in einem Bericht von "Spiegel Online" am Dienstag unter Berufung auf ein Strategiepapier der EU. Demzufolge sollen die Mitgliedsstaaten bei der Erforschung, Entwicklung, Finanzierung und beim Bau neuer innovativer Reaktoren stärker kooperieren. Das Papier solle die Grundlage für die künftige Atompolitik der EU-Kommission sein und am Mittwoch von den für die Energieunion zuständigen Kommissaren verabschiedet werden. Anschließend solle es dem EU-Parlament vorgelegt werden.

Vorantreiben will die EU dem Bericht zufolge den Bau von Mini-Reaktoren. Spätestens 2030 solle eine solcher Meiler in Europa im Einsatz sein. Deutschland will dagegen aus der Atomenergie aussteigen. 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen. (epd/rtr)

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