Politik : Axel Nawrocki auf dem Abstellgleis - der Ex-Olympia-Bewerber war stets umstritten

Axel Bahr

Der Name Axel Nawrocki gehört zu denen, die sich tief in die Berliner Chronik dieses Jahrzehnts gebrannt haben. Als Manager in der Treuhandanstalt wurde der bis dahin Unbekannte im Dezember 1991 von der Olympia GmbH zum neuen Geschäftsführer bestellt. Dass Nawrocki, der vor seinem Treuhand-Engagement in den achtziger Jahren als Mitarbeiter von Kurt Biedenkopf in Bonn diente, weder in Sachen Sportpolitik Erfahrung vorweisen konnte noch von den Interna des Internationalen Olympischen Komitees beleckt war, störte den Senat wie den Aufsichtsratsvorsitzenden der Bewerbungsgesellschaft, Eberhard Diepgen, wenig. Nachdem Werbeprofi und Vorgänger Lutz Grüttke wegen zahlreicher Ungereimtheiten und einem peinlichen Werbeauftritt als Olympiachef geschasst worden war, musste gut anderthalb Jahre vor der Vergabe von Olympia 2000 eine Personalentscheidung getroffen werden. Nawrocki, ausgestattet mit einem 300 000-Mark-Jahressalär, hatte den Bonus des CDU-Parteisoldaten und galt zunächst als zuverlässig.

Doch Nawrocki machte sich von Beginn an intern höchst unbeliebt. Dem Offizier der Reserve wurde ein eigenwilliger und zuweilen von Selbstüberschätzung geprägter Führungsstil nachgesagt. Im Umgang mit der Öffentlichkeit zeigte sich Nawrocki oft von einer höchst eigenwilligen Arroganz, mit der er sich schnell Sympathien auch auf der Senatsseite verspielte. Für einen Austausch war die Zeit der Bewerbung aber schon zu weit fortgeschritten. Weder die Blamage bei der Abstimmung in Monte Carlo im September 1993, als Berlin mit neun Stimmen auch für Experten unerwartet klar deklassiert wurde, noch die schmerzenden Nachwehen der Bewerbung sollten der Karriere Nawrockis schaden. Traurige Berühmtheit wurde ihm in der "Reißwolfaffäre" zuteil. Nawrocki hatte kurzerhand die meisten Abrechnungen der Olympia GmbH schreddern lassen und damit der Vermutung, Millionen von Steuergeldern seien verpulvert worden und auch Korruption sei mit im Spiel gewesen, Vorschub geleistet. Die Arbeit eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der den lockeren Umgang mit Geld feststellte, wie auch Strafanzeigen der Steuerzahler-Lobby blieben für Nawrocki folgenlos.

Lange wurde darüber spekuliert, wem er es verdankte, schon bald nach der Olympia-Pleite auf dem Stuhl des Berliner S-Bahn-Chefs Platz nehmen zu dürfen. Diepgen dementierte in den Folgejahren hartnäckig, dabei geholfen zu haben. Bei der S-Bahn hinterließ Nawrocki hingegen keine Skandalspuren. Unter seiner Regie schaffte es das Unternehmen, sich vom Schmuddel-Image zu befreien und sich dem Wettbewerb erfolgreich zu stellen. Eine Managementleistung, die von Nahverkehrsexperten mehr den fähigen Mitarbeitern im Unternehmen als dem Geschäftsführer zugeordnet wurde. Für Axel Nawrocki reichte es jedenfalls aus, um in die Vorstandsetage der Deutschen Bahn gelobt zu werden.

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