Beate Zschäpe : Wegen Drogen keine Karriere beim Verfassungsschutz

Bevor Beate Zschäpe mit ihren beiden NSU-Komplizen in den Untergrund ging, hatte der Thüringer Verfassungsschutz erwogen, sie als V-Frau zu anzuwerben. Ihr Drogenkonsum hat sie aber für diese Aufgabe disqualifiziert.

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Beate Zschäpes Drogenkonsum hat verhindert, dass der Thüringer Verfassungsschutz sie als V-Person anwerben wollte.
Beate Zschäpes Drogenkonsum hat verhindert, dass der Thüringer Verfassungsschutz sie als V-Person anwerben wollte.Foto: dpa

Der Thüringer Verfassungsschutz hat offenbar erwogen, die heute der Terrorzelle NSU zugerechnete Beate Zschäpe als V-Person anzuwerben – allerdings in den Wochen, bevor sie mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in den Untergrund ging. Ein entsprechender Hinweis findet sich in den Akten, die Thüringen dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Verfügung gestellt hat. CDU-Obmann Clemens Binninger machte den Vermerk eines ehemaligen Verfassungsschützers aus Thüringen am Donnerstagabend bei der Sitzung des Ausschusses bekannt. Aus den dreiseitigen Notizen geht jedoch auch hervor, dass der Nachrichtendienst schließlich darauf verzichtete, Zschäpe anzusprechen. Bei der Beobachtung der Frau wollten die Verfassungsschützer festgestellt haben, dass Zschäpe Drogen konsumierte. Um welche es sich handelte, steht in dem Vermerk nicht. Nach Informationen des Tagesspiegels hatten die Thüringer Behörden später den Verdacht, im Umfeld des abgetauchten Trios werde Kokain konsumiert und mit der Droge gehandelt. Aus einem SMS-Verkehr Ende des Jahres 1998 geht hervor, dass eine Person eine andere fragt, ob sie etwas „Weißes für die Zähne“ habe. In einer weiteren SMS heißt es dann, das koste viel Geld.

BKA veröffentlicht Urlaubsbilder der Zwickauer Mörderbande
08.05.2012: Bei den Ermittlungen zur Nazi-Terrorzelle NSU hat das Bundeskriminalamt einen neuen bundesweiten Fahndungsaufruf gestartet. Die Ermittler veröffentlichten am Dienstag Urlaubsbilder der inzwischen toten Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie ihrer mutmaßlichen Komplizin Beate Zschäpe. Hier sitzen Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe anscheinend in einem Campingwagen.Weitere Bilder anzeigen
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08.05.2012 21:2208.05.2012: Bei den Ermittlungen zur Nazi-Terrorzelle NSU hat das Bundeskriminalamt einen neuen bundesweiten Fahndungsaufruf...

Der Untersuchungsausschuss will den früheren Mitarbeiter des Thüringer Verfassungsschutzes als Zeugen laden. Er soll im Februar aussagen.

Ermordet aus reinem Hass - Die Opfer des NSU
Enver Şimşek, wird am 9.September 2000 von acht Schüssen getroffen. Der Besitzer eines Blumengroßhandels in Schlüchtern, Südhessen, war das erste Opfer der rassistisch motivierten Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). An jenem Tag fiel ein Mitarbeiter aus, der normalerweise seinen Blumenstand an einer Ausfallstraße nahe Nürnberg betreute. Şimşek fährt selbst nach Nürnberg und wird dort von den Tätern angeschossen. Es dauert noch zwei Tage, bis er in einem Krankenhaus am 11.September 2000 im Alter von 38 Jahren den Schusswunden erliegt. Der Fall wird von der Bundesregierung erst 2012 als rassistisch motivierte Straftat anerkannt. Zu Beginn wurde auch gegen die Frau und Verwandte des Mannes ermittelt. Die Polizei verdächtigte den Getöteten des Drogenhandels.Alle Bilder anzeigen
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04.07.2012 15:04Enver Şimşek, wird am 9.September 2000 von acht Schüssen getroffen. Der Besitzer eines Blumengroßhandels in Schlüchtern,...
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