Dieser Flughafen hat seine Jungfräulichkeit verloren

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BER-Chefs Mehdorn und Marks im Interview : "Seit wann haben Sie gewusst, dass da was schiefläuft?"

Sie wollen das Vertrauen in das Management stärken durch Ihre Arbeit. Querschüsse wie die des Finanzsenators aus Berlin, der Zahlungen hinauszögert, bis die Zinslast immer teurer wird, ist das Ausdruck eines Misstrauens oder steckt da etwas anderes dahinter?
Mehdorn: Meines Erachtens ist das unnötig. Da geht es um eine Kredittranche von 1,2 Milliarden Euro. Brandenburg hat geprüft und gezahlt. Der Bund hat geprüft und gezahlt. Ich gehe davon aus, dass auch Berlin zahlen wird in diesen Tagen. Es sind eben drei Gesellschafter. Alle sagen, wir wollen zusammenarbeiten, aber dann kommen doch immer wieder kleine Stöckchen in die Speichen.

Was erwarten Sie denn vom Aufsichtsrat, der am kommenden Freitag zusammentritt und sich jetzt neu konstituiert?
Mehdorn: Die Gesellschafter machen die Neubesetzung des Gremiums, die durch den Wowereit-Abgang nötig wird, unter sich aus und nicht mit uns. Das ist auch richtig so. Sie denken darüber nach, den Aufsichtsrat durch die Entsendung von Experten zu stärken und mehr privatwirtschaftliches Know-how in das Gremium einzubringen.

Das wäre Ihnen recht, nehmen wir an.
Mehdorn: Ja, sicher. Das begrüßen wir ausdrücklich. Wenn Sie sich andere Aufsichtsräte anschauen, etwa bei der Bahn oder bei Lufthansa, da sehen Sie Industrielle neben Politikern. Das kann eine gute Mischung sein, auch für hier.

Würden Sie sich weniger Einmischung ins operative Geschäft wünschen?
Mehdorn: Normalerweise gibt es da klare Grenzen. Ein Aufsichtsrat muss Vertrauen in seine Geschäftsführung haben. Ich sage das immer wieder, auch unserem Aufsichtsrat. Entweder er traut seiner Geschäftsleitung oder er sucht sich eine neue, tauscht sie aus. Dazwischen gibt es nichts. Wir sind uns einig: Vertrauen muss man sich verdienen, das kriegt man nicht verliehen. Daran arbeiten wir. Doch das geht angesichts der Vorgeschichte nicht von null auf hundert. Wir hoffen, dass der Aufsichtsrat nach und nach merkt, uns kann man vertrauen, wir machen einen guten Job. Das heißt nicht, dass wir nicht auch Fehler machen.

Was die Aufsichtsräte sicher von Ihnen hören wollen, auch am 12. Dezember, sind Termine. Die werden fragen: Herr Mehdorn, Herr Marks, wann eröffnet der BER?
Mehdorn: Ja, und es bleibt dabei: Wir werden nur einen Termin nennen, von dem wir auch überzeugt sind. Da wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht alle Unwägbarkeiten aus dem Weg geräumt haben, wird es auf ein Terminband hinauslaufen, das wir im Aufsichtsrat diskutieren werden.

In der Vergangenheit gab es ja auch politisch motivierte Termine. Verspüren Sie Druck aus der Politik?
Mehdorn: Nein, verspüre ich nicht. Das hätte aber auch keinen Zweck. Ich habe eher die Sorge, dass es Ängstlichkeiten gibt – so nach der Devise „bloß nicht noch einmal eine Verschiebung“. Da fehlt mir wieder der gemeinsame Geist und das gemeinsame Ziel. Man muss sich schon trauen. Ohne Termin werden wir keine Flughafeneröffnung hinkriegen, denn sonst schaffen wir nicht den Anreiz und klaren Rahmen für Bau, Planung und behördliche Abnahmen.

Aber es ist schon noch Ihr Ziel, das Band bei der Eröffnung selber durchzuschneiden?
Mehdorn: Ich glaube nicht, dass da jemals ein Band durchgeschnitten wird. Dieser Flughafen hat seine Jungfräulichkeit verloren. Es gibt da keine Party und keine Raketen. Nicht mit mir. Wir werden eine Abschiedsparty in Tegel machen. Da müssen die "Toten Hosen" rumtoben …

Wie lange macht denn Tegel noch?
Mehdorn: Tegel macht mir keine Sorgen. Alle lieben Tegel, jeder kennt Tegel, Tegel ist genial. Aber natürlich kümmern wir uns um den Airport. Gerade arbeiten wir wieder an einem Verbesserungsprogramm. So eins hatten wir 2013 schon einmal.

Muss beim Lärmschutz in Tegel noch etwas passieren?
Mehdorn: Das kommt darauf an, wann wir umziehen.

Es ist strittig, ob das 2017 oder 2019 kritisch wird.
Mehdorn: 2019.

Kommen Sie mit den 1,1 Milliarden für den Fertigbau von BER aus?
Mehdorn: Ja. Aber wir werden diesen Flughafen schon bald erweitern müssen, und die Kosten sind in den 1,1 Milliarden nicht drin.

Würde ein Gesetz gegen eine dritte Startbahn, wie es in Brandenburg diskutiert wird, etwas für Ihre Planung bedeuten oder sagen Sie, ein Gesetz kann man auch wieder ändern?
Mehdorn: Ach, das ist nicht unser Thema. Klar ist: Berlin wächst. Wir glauben, dass wir bis 2035 locker in die Dimension 45 Millionen Passagiere kommen.

Dann kann man ja jetzt schon das neue Terminal planen …
Mehdorn: Tun wir ja. Wir arbeiten an einem Generalbebauungsplan, wie unser Flughafen im Jahr 2040 aussieht.

Die Standorte der beiden Satelliten sind ja jetzt schon auf Karten eingezeichnet. Und der Umzug von Tegel? In einer Nacht?
Mehdorn: Einen Umzug in einer Nacht, wie er 2012 mal angedacht war, wird es nicht geben. Wir halten das für viel zu risikoreich. Wir machen das schrittweise. Wie genau, werden wir mit unseren Airline-Kunden noch abstimmen.

Das Gespräch führten Gerd Appenzeller, Klaus Kurpjuweit, Lorenz Maroldt und Thorsten Metzner.

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