BER-Desaster : Zahllose Räume

Zu den ganzen Baustellen-Pannen am Berliner Flughafen BER kommen zu allem Überfluss auch noch unauffindbare Räume hinzu. Auf den neuen Bürgermeister warten eine Menge Aufgaben. Eine Kolumne von Harald Martenstein

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Seit 2006 wird am Berliner Großflughafen BER gebaut. Wann er eröffnet wird, ist bis heute unklar.
Seit 2006 wird am Berliner Großflughafen BER gebaut. Wann er eröffnet wird, ist bis heute unklar.Foto: dpa

Neueste Nachricht von der Flughafen-Baustelle: Es ist immer noch nicht gelungen, die Räume der Ruine korrekt zu nummerieren. Der neue Technikchef Jörn Marks sagt: „Räume lassen sich nicht mehr eindeutig auffinden.“ Das Gleiche erzählt man sich interessanterweise auch über die Reste des ehemaligen Führerbunkers.

Einen Raum, der man nicht eindeutig auffindet, kann man jedenfalls weder sanieren noch fertig bauen, so viel ist klar. Ein großes Problem besteht auch darin, dass, im Falle eines Brandes, die Feuerwehr den Raum, wo es brennt, nicht finden kann, weil die Räume nicht nummeriert sind. Wozu braucht man eine Brandschutzanlage, wenn die Feuerwehr das Feuer sowieso nicht findet? In einer Stellenanzeige suchen sie einen „Koordinator Projektsteuerung“, dessen Aufgabe sei die „Steuerung des Projektsteuerers“. Das alles hört sich für mich nicht so an, als ob es Grund zum Optimismus gebe.

Die Lösungsvorschläge der drei Bürgermeister-Kandidaten

Da frage ich mich, was eigentlich die drei Bürgermeister-Kandidaten zum BER sagen. Wie wollen unsere drei Kandidaten das Problem mit den nicht eindeutig auffindbaren Räumen in den Griff kriegen?

Jan Stöß kündigt an, dass er, als neuen Posten, einen Staatssekretär für Infrastruktur schaffen möchte. Er selber will in den Aufsichtsrat. Gemeinsam mit Jan Stöß, mit Hartmut Mehdorn, mit dem Technikchef, mit dem Koordinator Projektsteuerung und mit dem von ihm gesteuerten Projektsteuerer kann dann auch der neue Staatsekretär die verschwundenen Räume suchen und sie nummerieren. Stöß wörtlich: „Wir wollen die besten Leute zusammenbringen“, in welchem Raum, ist noch offen.

Was meint der zweite Kandidat, Raed Saleh? In einem Interview wurde Saleh gefragt, was er am BER anders machen würde als bisher. Seine Antwort, nur unwesentlich gekürzt: „Zu oft wird vergessen, dass auch Brandenburg und der Bund daran Anteil haben. Und dass mit Bosch und Siemens zwei der renommiertesten Firmen Deutschlands dabei waren.“ Ich interpretiere die Antwort so: Unter einem Regierenden Bürgermeister Saleh wird Berlin noch konsequenter, schneller und effektiver darauf hinweisen, dass auch andere an dem Flughafendesaster schuld sind. Außerdem sagt der Kandidat: „In Berlin kann jeder seinen Weg gehen.“ Die meisten Flugziele können von den Berlinern nämlich auch zu Fuß erreicht werden, wenn sie sich ein bisschen Zeit nehmen.

Auch der dritte Kandidat, Michael Müller, möchte in den Aufsichtsrat. Und er kündigt an: „Ich will schauen, ob man noch mehr Finanz- und Baukompetenz in den Aufsichtsrat bekommt.“ Im Idealfall wäre der Aufsichtsrat eines Tages so finanz- und baukompetent, dass die Räume des Flughafens eindeutig aufgefunden und nummeriert werden können.

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