• Beratungsgebühren für Social Media: Bundesregierung ließ sich Facebook und Co. 120.000 Euro kosten
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Beratungsgebühren für Social Media : Bundesregierung ließ sich Facebook und Co. 120.000 Euro kosten

Seit Ende Februar hat die Bundesregierung eine eigene Facebook-Seite, dort will man vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. Und dafür wurden offenbar keine Kosten gescheut.

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Die Facebook-Seite der Bundesregierung - ein ziemlich kostspieliges Projekt.
Die Facebook-Seite der Bundesregierung - ein ziemlich kostspieliges Projekt.Foto: Screenshot/facebook.com/Bundesregierung

Mehr als 91.000 Personen gefällt das. Der seit Ende Februar bestehende Facebook-Auftritt der Bundesregierung erreicht damit mehr als jeden tausendsten Bundesbürger direkt. Über geteilte Inhalte und andere Kanäle dürften es noch weit mehr der etwa 28 Millionen Facebook-Nutzer in Deutschland sein. Nun wurde teilweise bekannt, wie viel Geld sich die Regierung den neuen Kommunikationskanal kosten lässt. In einer Antwort des Bundespresseamtes auf eine über die Plattform fragdenstaat.de gestellte Anfrage, die dem Tagesspiegel vorliegt, wird der finanzielle Aufwand im Vorfeld auf etwa 120.000 Euro beziffert. Diese flossen an die "European Web Video Academy GmbH“, die die Regierung im Spätsommer 2014 beriet. Allerdings handelt es sich dabei um kalkulierte Kosten für eine Beratung, die sich nicht nur auf den neuen Facebook-Kanal bezieht, sondern auf den gesamten Social-Media-Auftritt - also auch die anderen Kanäle wie Flickr oder den Youtube-Kanal.

Wieviel der Facebook-Auftritt im laufenden Betrieb kostet, ging nicht aus der Antwort hervor. Man habe durch Umstrukturierungen im Bundespresseamt Kapazitäten für die „relativ zeitintensive“ Arbeit auf Facebook bereitstellen können, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert im Februar.

"Moderne Regierungskommunikation muss diese Plattform bespielen"

Das zugrunde liegende Konzept der Social Media-Offensive der Bundesregierung geht davon aus, dass so vor allem jüngere Menschen erreicht und für Politik interessiert werden können. „Moderne Regierungskommunikation muss, will sie diese relevante Zielgruppe erreichen, diese Plattformen ‚bespielen‘“, heißt es in dem Schreiben aus dem August 2014, das dem Tagesspiegel ebenfalls vorliegt.

Der 2011 ins Leben gerufene Youtube-Kanal der Bundesregierung habe „Optimierungsbedarf“ gehabt, hieß es weiter. Hier waren seit 2013 fünf Mitarbeiter tätig. Laut einer Schätzung von socialblade.com belaufen sich die Einnahmen durch den YouTube-Auftritt auf fünf bis 80 Euro pro Monat. Der Facebook-Kanal der Bundesregierung wird etwa ein- bis zweimal am Tag mit Fotos, Videos und Infografiken beladen – zuletzt wurde ein Fotoalbum der „Königin Elizabeth II. in Deutschland“ veröffentlicht.

Auf Nachfragen oder Kommentare der Nutzer reagiert die Medienabteilung in der Regel sehr schnell. Die vielen aggressiven und negativen Kommentare, die sich immer wieder unter einzelnen Posts finden lassen, nimmt die Regierung gelassen. Es sei im Internet eben nicht „vollkommen unüblich“, dass es Kommentare geben, deren Ton „etwas rauer“ sei oder die sich „im Ton vergreifen“, sagte Sprecher Seibert. Die große Mehrheit der Rückmeldungen sei jedoch sehr sachlich. „Die werden wir im Rahmen dessen, was wir irgendwie handhaben können, auch weiter bearbeiten“, sagte Seibert.

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