Berliner Erzbischof : Woelki fordert Kirche zu Debatte über „Pille danach“ auf

Nach dem Kurswechsel des Kölner Kardinals Joachim Meisner zur „Pille danach“ fordert Berlins Erzbischof Rainer Maria Woelki eine Debatte in der katholischen Kirche. SPD und Grüne wollen unterdessen einen leichteren Zugang zur „Pille danach“.

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Berlins katholischer Erzbischof Rainer Maria Woelki
Berlins katholischer Erzbischof Rainer Maria WoelkiFoto: dpa

Berlins katholischer Erzbischof Rainer Maria Woelki hat seine Kirche zu einer Debatte um die „Pille danach“ aufgerufen. „Wenn es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Wirkungsweisen der ,Pille danach’ gibt, dann ist es notwendig und wichtig, dass sich die Kirche bundesweit damit auseinandersetzt“, sagte Woelki am Samstagabend in Berlin. „Unsere Krankenhäuser und Ärzte brauchen Orientierung, wie sie in Zukunft Frauen in dieser Situation unterstützen können – auch was den Einsatz von bestimmten Formen der ,Pille danach’ angeht.“

Damit folgt Woelki, der vor seiner Zeit als Berliner Erzbischof Weihbischof in Köln war, dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Meisner hatte nach einer Beratung mit Vertretern des Katholischen Krankenhausverbands Deutschland seine Position zur „Pille danach“ überraschend geändert. Ihm sei erst in dem Gespräch deutlich geworden, dass unter dem Begriff der „Pille danach“ „unterschiedliche Präparate mit unterschiedlichen Wirkprinzipien zu verstehen sind“, so Meisner am Donnerstag. Werde nach einer Vergewaltigung ein Präparat mit dem Ziel eingesetzt, eine Befruchtung zu verhindern, sei dies aus seiner Sicht vertretbar. Weiter nicht vertretbar seien dagegen Pillen, die das Einnisten einer bereits befruchteten Eizelle verhindern sollen.

Anfang Januar war bekannt geworden, dass katholische Kliniken im Rheinland einem Vergewaltigungsopfer eine Untersuchung und die Sicherung von Spuren verweigert hatten. Begründet wurde dies mit dem Argument, die Frau hätte möglicherweise die „Pille danach“ verlangt. Die hatte allerdings schon eine andere Ärztin verordnet. Der Fall hatte zu einer breiten öffentlichen Debatte über die Rolle katholischer Krankenhäuser geführt.

Berlins Erzbischof Woelki betonte, dass Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen wurden, in katholischen Krankenhäusern des Erzbistums Berlin schon heute über alle Möglichkeiten der Hilfe, so auch die „Pille danach“, informiert und aufgeklärt würden. Ihnen würde jede notwendige medizinische und pflegerische Hilfe zuteil. Dies beinhalte auch die uneingeschränkte Kooperation im Hinblick auf die Spurensicherung.

SPD und Grüne wollen unterdessen über den Bundesrat durchsetzen, dass Frauen die „Pille danach“ ohne Rezept bekommen können. Die rot-grün regierten Bundesländer hätten Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen damit beauftragt, bis April eine entsprechende Initiative auszuarbeiten, berichtete die Zeitung „Sonntag Aktuell“. Sollte sich dann eine Mehrheit für den Vorstoß abzeichnen, „könnten wir den Gesetzentwurf relativ rasch in den Bundesrat einbringen“, sagte ein Sprecher von Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD).

Im vergangenen Jahr war ein ähnliches Vorhaben noch gescheitert. Nach dem Sieg von Rot-Grün in Niedersachsen seien die Chancen nun aber besser geworden, sagte der Sprecher. Geplant sei, dass ein Apotheker die „Pille danach“ ohne Rezept ausgeben dürfe.

Allerdings müsse er vorher eine Beratung anbieten. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hatte damals jedoch davor gewarnt: „Jede medikamentöse Kontrazeption und damit auch die Notfallkontrazeption gehört in ärztliche Hand.“ Im Streit um die Behandlung vergewaltigter Frauen in katholischen Krankenhäusern hatte der konservative Kölner Erzbischof Joachim Meisner am Donnerstag überraschend seine bislang ablehnende Haltung korrigiert: Die „Pille danach“ sei zulässig, wenn das Medikament eingesetzt werde, um die Befruchtung zu verhindern. Nicht hinnehmbar sei eine Verschreibung, wenn die „Pille danach“ die Einnistung bereits befruchteter Eizellen in der Gebärmutter verhindern solle. (mit dpa)

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