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Beschneidung aus medizinischer Sicht : Was bei dem Eingriff passiert

28.06.2012 00:00 Uhrvon

Bei medizinisch begründeten Beschneidungen erhält der Patient eine Betäubung. Bei den religiös motivierten Eingriffen ist das in der Regel nicht der Fall. Der Berufsverband der Urologen hält letztere auch deshalb für Körperverletzung.

Bei einer Beschneidung wird die Vorhaut mithilfe einer Schere hinter der Eichel abgetrennt. In hiesigen Arztpraxen erfolgt dieser Eingriff, der rund 15 Minuten dauert, unter Betäubung, erläutert Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbandes der deutschen Urologen und selbst niedergelassener Facharzt. „Bei Kindern kommt eine Vollnarkose zum Einsatz, damit sie durch den Eingriff psychisch nicht belastet werden. Erwachsene werden meist lokal betäubt.“ Bei religiösen Beschneidungen hingegen werde häufig auf eine Betäubung verzichtet, sagt Bühmann. „Ich habe das im Ausland einmal miterlebt, das ist eine Quälerei.“ Daher ist er entschieden gegen eine Beschneidung von Kindern unterhalb der Volljährigkeit und damit ohne Einwilligungsfähigkeit aus religiösen Gründen, selbst wenn diese in Narkose erfolgt.

„Wenn es keine medizinischen Gründe für den Eingriff gibt, dann handelt es sich eindeutig um Körperverletzung“, fasst er die Position seines Berufsverbandes zusammen. Das Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit stehe eindeutig über der Religionsfreiheit der Eltern, argumentiert er. An diese Gesetzeslage müssten sich alle hier Lebenden halten. Deutsche Urologen würden, abgesehen von wenigen Ausnahmen, ausschließlich medizinisch begründete Beschneidungen vornehmen, sagt er. Dazu zählten Entzündungen oder eine chronische Verengung der Vorhaut. In den USA, wo viele Jungen nach der Geburt beschnitten werden, wird dieser Schritt oft mit besserer Hygiene und geringeren Fällen eines Peniskarzinoms begründet. „Diese Form von Krebs ist aber so selten, dass sie den Aufwand der vielfachen Beschneidungen nicht rechtfertigt“, hält Bühmann dagegen. Auch das Argument, ein beschnittener Penis sei hygienischer, weil es keine Vorhaut gebe, unter der sich Keime sammeln und vermehren, lässt er nicht gelten. „Da genügt auch regelmäßige Reinigung.“ Dass beschnittene Männer ein längeres Durchhaltevermögen beim Sex hätten, sei eine Legende. Denn die Empfindsamkeit passe sich wenige Wochen nach dem Eingriff an, sagt der Urologe.

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