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Beschuss aus Syrien : Türkei: Nato will Flugabwehrraketen stationieren

Um die Türkei vor Beschuss aus Syrien zu schützen, will die Nato dort laut türkischen Medienberichten Flugabwehrraketen stationieren. So soll ein Schutzschirm an der Grenze geschaffen werden, ohne das syrische Hoheitsgebiet zu verletzen.

Patriot-Flugabwehrraketen werden in der Türkei stationiert. Foto: dpa
Patriot-Flugabwehrraketen werden in der Türkei stationiert.Foto: dpa

Angesichts der Kämpfe in Syrien wollen die USA und die Türkei laut einem Zeitungsbericht eine Flugverbotszone im Norden des Landes durchsetzen. Dazu sollten Flugabwehrraketen des Typs Patriot an der türkisch-syrischen Grenze stationiert werden, berichtete die türkische Zeitung „Milliyet“ am Mittwoch. Die Regierung in Ankara erklärte, es gebe Gespräche mit der Nato über die Patriot-Stationierung, aber noch keine offizielle Anfrage.
Ranghohe Militärvertreter beider Länder hätten in den vergangenen Monaten an dem Plan für eine Flugverbotszone im Norden Syriens gefeilt, berichtete „Milliyet“. Die Patriot-Raketen sowie Kontrollflüge türkischer Kampfjets entlang der Grenze sollen demnach sicherstellen, dass die syrische Luftwaffe in einem Streifen südlich der Grenze nicht mehr agieren könne.

Die USA lehnen laut „Milliyet“ eine direkte Militärintervention in Syrien ab. Mit Hilfe der Patriot-Raketen und der Kontrollflüge an der Grenze soll demnach ein Schutzschirm geschaffen werden, ohne dass syrisches Hoheitsgebiet verletzt wird. Dieser Schutzschirm soll Flüchtlingen aus der Türkei die Rückkehr nach Syrien ermöglichen sowie das Gebiet zwischen Aleppo und der türkischen Grenze im Norden Syriens für die Rebellen sichern. An der jordanisch-syrischen Grenze sei ein ähnliches Vorgehen geplant. Ein Mandat der Vereinten Nationen sei dafür nicht erforderlich. Die letzte Entscheidung liege bei US-Präsident Barack Obama.

Der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Selcuk Ünal, sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine Stationierung von Patriot-Raketen werde auch bei den Gesprächen zwischen der NATO und ihrem Mitgliedsland Türkei über die Kontingent-Planung besprochen werden. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte nach Angaben des Nachrichtensenders NTV während einer Reise nach Indonesien allerdings, dass „bislang keine Anfrage“ an die Nato gerichtet worden sei.

Auch ein Nato-Vertreter in Brüssel sagte, ihm lägen derzeit keine Informationen über „irgendeine Anfrage der Türkei“ vor. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte am Montag auf Nachfrage gesagt, wenn eine derartige Anfrage gestellt würde, müssten die Bündnispartner der Türkei sich damit beschäftigen.

Die türkische Regierung und die syrische Opposition fordern seit Monaten eine Flugverbotszone in Syrien, um die Luftüberlegenheit der syrischen Regierungstruppen im Bürgerkrieg zumindest in einigen Regionen des Landes zu beenden. Ankara begründet diese Forderung unter anderem mit dem Zustrom von Flüchtlingen aus dem Nachbarland.

Laut türkischem Katastrophenschutzamt hat die Zahl der Flüchtlinge inzwischen fast 112.000 erreicht. Nach Presseberichten flohen in den vergangenen Tagen auch sieben weitere Generäle der syrischen Armee in die Türkei.
Die syrische Armee verstärkte in den vergangenen Monaten ihr Aufgebot an der Grenze zu Syrien. Syrische Geschosse schlugen wiederholt im türkischen Grenzgebiet ein. Anfang Oktober wurden dadurch fünf Bewohner eines Grenzdorfes getötet. (AFP)

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