Politik : Bin Laden soll im Juli CIA-Agenten getroffen haben

Terroristenführer Osama bin Laden hat sich nach französischen Medienberichten zwei Monate vor den Terroranschlägen vom 11. September im US-Krankenhaus von Dubai mit einem CIA-Agenten getroffen. In der Klinik habe sich bin Laden wegen eines Nierenleidens behandeln lassen, berichteten die französische Zeitung "Le Figaro" und der Rundfunksender France Internationale. Die Zeitung beruft sich auf einen ungenannten Informanten, der Geschäftspartner der Krankenhausleitung sei. Die US-Klinik dementierte, dass bin Laden dort behandelt worden sei.

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Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan "Was Le Figaro berichtet, ist falsch. Osama bin Laden ist weder im Krankenhaus noch außerhalb von einem unserer Ärzte behandelt worden", sagte Bernard Koval, Manager in der US-Klinik in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Dieses Krankenhaus ist zu klein, als dass jemand heimlich durch die Hintertür hereingelassen werden könnte", fügte er hinzu.

Nach Angaben der Zeitung traf bin Laden am 4. Juli im Krankenhaus von Dubai ein und reiste am 14. Juli wieder ab. In der Klinik soll er auf der Station des Urologen Terry Callaway behandelt worden sein. Callaway habe auf Medien-Anfragen nach einer Bestätigung der Behandlung nicht reagiert, hieß es weiter. Dem Bericht zufolge wurde bin Laden von vier Leibwächtern und einem Arzt begleitet, bei dem es sich möglicherweise um den Ägypter Aiman el Sawahari handelte. Sawahari gilt als engster Vertrauter des mutmaßlichen Terroristenführers und als sein möglicher Nachfolger.

Während seines Klinikaufenthalts sei der Topterrorist nicht nur von mehreren Mitgliedern seiner Familie und Persönlichkeiten aus Saudi-Arabien und den Emiraten besucht worden, sondern auch von einem CIA-Agenten. Der Agent des amerikanischen Geheimdienstes, dessen Name nicht genannt wurde, war der Zeitung zufolge lokaler Leiter des US-Geheimdienstes. Er habe sich später vor Freunden damit gebrüstet, dass er bin Laden getroffen habe, berichtete "Le Figaro" weiter. Am 15. Juli sei der Agent von der CIA-Zentrale in die USA zurückbeordert worden.

Osama bin Laden habe bei dem Treffen mit dem CIA-Agenten bereits auf der US-Fahndungsliste als einer der meistgesuchten Terroristen gestanden, die für mehrere Anschläge auf US-Einrichtungen im Ausland verantwortlich gemacht wurden. Dazu gehörten die Terrorattacken auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 mit mehr als 200 Toten und den US-Zerstörer USS Cole im Oktober 2000, als 19 Marinesoldaten starben. Verbindungen zwischen bin Laden und der CIA reichen dem Bericht zur Folge bis ins Jahr 1979 zurück, als er Kämpfer für den Krieg gegen die sowjetische Armee in Afghanistan rekrutiert habe.

Bin Laden soll seit längerem an Nierenversagen leiden. Der "Figaro" verweist auf einen Artikel der in Hongkong erscheinenden Wochenzeitung "Asia Week" vom März 2000, in dem bereits über eine schwere Erkrankung bin Ladens berichtet wurde. Demnach litt der mutmaßliche Terroristenführer damals an einer "Niereninfektion, die auf die Leber überzugreifen droht und speziell behandelt werden muss". Deshalb habe er sich bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2000 ein Dialysegerät nach Kandahar in Afghanistan schicken lassen.

Atta schon im Mai 2000 in Prag?

Der mutmaßliche Flugzeug-Attentäter Mohammed Atta hat sich nach Angaben der Prager Zeitung "Hospodarske noviny" bereits im Mai 2000 in Tschechien mit Agenten des irakischen Geheimdienstes getroffen. Innenminister Stanislav Gross hatte bisher nur ein Treffen im Frühjahr 2001 bestätigt. Warum der Ägypter, der in Hamburg studiert hat, mindestens vier Mal in Tschechien war, ist unklar. Es gebe bisher keinen Hinweis, dass die Treffen in Zusammenhang mit den Anschlägen des 11. September stünden, sagte Gross der Zeitung.

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