Bioethik : Weihbischof Losinger fordert schärfere Gesetze

Gentechnik, Stammzellen, Reproduktionsmedizin: Die Politik kommt kaum hinterher, sagt Weihbischof und Bioethikrat-Mitglied Anton Losinger und fordert schärfere Regelungen.

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Weihbischof Anton Losinger fürchtet, der geklonte Mensch könnte zum Ersatzteillager werden.
Weihbischof Anton Losinger fürchtet, der geklonte Mensch könnte zum Ersatzteillager werden.Foto: Mateusz Roik

Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger fordert schärfere Bioethik-Gesetze. "Das Embryonenschutzgesetz, das Gentechnikgesetz und das Stammzellgesetz müssen in absehbarer Zeit novelliert werden", sagte Losinger, der Mitglied im Bioethikrat der Bundesregierung ist, dem Tagesspiegel. "Bisher gilt als Embryo, was aus der Verbindung einer Ei- und Samenzelle entsteht. Der Gesetzgeber wird nicht umhin kommen, mit Blick auf die neuen totipotenten Zellen den Status des Embryos neu zu definieren." Vieles sei inzwischen nicht mehr Science Fiction.

Es gebe erste Impulse, alle gesetzlichen Strukturen in diesem Bereich zu einem großen Reproduktionsmedizin-Gesetz zusammenzuführen. "Das halte ich für einen notwendigen Ansatz. Wichtig ist, dass dabei die hohen ethischen Standards gewahrt bleiben. Der Lebensschutz für Embryonen, den das Embryonenschutzgesetz garantiert, darf nicht angetastet werden." Eine nationale Regelung werde aber nicht reichen, sagte der Weihbischof. "Es handelt sich ja um globale Phänomene. Es gibt im internationalen Kontext auch schon eine Reihe von wirksamen Regelungen. Aber auch die hinken stets der Wissenschaft hinterher. Man kommt mit dem Gesetzemachen nicht so schnell nach wie die biomedizinische Forschung voran schreitet."

Losinger rechnet damit, dass "in Kürze" Forscher in der Lage sein werden, aus adulten somatischen Zellen totipotente Zellen zu entwickeln, aus denen sich sämtliche Funktionen und Fähigkeiten eines menschlichen Embryos herstellen ließen. So könne man zum Beispiel bei kinderlosen Ehen von jedem der beiden Partner je eine Keimzelle generieren und daraus Nachwuchs erzeugen, der mit beiden Partnern genetisch verwandt ist; oder es könnte auch ein einzelner Mensch aus dem Bestand seiner somatischen Zellen eine Ei- und eine Samenzelle generieren und daraus einen identischen Klon von sich herstellen lassen. "Menschen wären in der Lage, Menschen zu konstruieren – nach eigenen Vorstellungen. Dadurch wäre der Mensch in seiner Einmaligkeit bedroht", sagte Lohsinger. "Denn dazu gehört die Unverfügbarkeit und auch die biologische Unverwechselbarkeit des Lebens."

Jeder Mensch, sagte Losinger, habe ein Recht auf Einzigartigkeit und eine eigene Würde. "Kein Mensch darf sich anmaßen, willkürlich die genetischen Merkmale eines anderen zu bestimmen. Das Klonen würde der Selektion von Menschen mit vermeintlich höheren Qualitäten Tür und Tor öffnen. Es darf auch niemals ein Mensch Mittel zum Zweck werden. Die Klone aber könnten als Ersatzteillager dienen."

Lesen Sie das Interview im Wortlaut heute ab 19.45 Uhr im Tagesspiegel-ePaper oder am morgigen Sonntag in der Tagesspiegel-Printausgabe.

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