Bischof Mixa : Rücktritt vom Rücktritt

16.06.2010 16:57 UhrVon Claudia Keller
Protestwelle. Für viele Katholiken in Augsburg ist der ehemalige Bischof Walter Mixa zu einer Art Wiedergänger geworden. Sie sind empört über seinen Versuch, seinen Rücktritt rückgängig zu machen. Mit Slogans wie diesen protestieren sie gegen Mixa. Foto: dpa
Protestwelle. Für viele Katholiken in Augsburg ist der ehemalige Bischof Walter Mixa zu einer Art Wiedergänger geworden. Sie sind empört über seinen Versuch, seinen Rücktritt... - Foto: dpa

Der ehemalige Augsburger Bischof Walter Mixa will wieder in sein Amt und holzt gegen Kollegen. Diese und die Medien seien Schuld an seinem Rücktritt.

Berlin - Der zurückgetretene Augsburger Bischof Walter Mixa will sich nicht abfinden mit seinem Rücktritt. Vor kurzem ist er wieder in das Bischofspalais in Augsburg gezogen. Im Juli will er mit dem Papst in Rom besprechen, ob es nicht einen Rücktritt vom Rücktritt geben könnte. Auch erwägt er, vor den päpstlichen Gerichtshof zu ziehen.

In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ sagte Mixa am Mittwoch, er könne sich „gut vorstellen“, wieder feierlich in den Augsburger Dom einzuziehen, und wolle „auf jeden Fall“ wieder Gottesdienste feiern und auch die Sakramente spenden. Denn er habe sein Rücktrittsgesuch an den Papst im April nur geschrieben, weil ihn seine Bischofskollegen Robert Zollitsch und Reinhard Marx gezwungen hätten.

Der Druck auf ihn sei „wie ein Fegefeuer“ gewesen. Dass er Fehler gemacht hat, sieht Mixa nur zum Teil ein. Dass er nicht gleich zugegeben habe, vor zwanzig Jahren Heimkinder geohrfeigt zu haben, sei falsch gewesen, gibt Mixa zu. Aber weder zu den nachgewiesenen Unregelmäßigkeiten im Umgang mit den Bistumsfinanzen will er stehen, noch findet er es offenbar verwerflich, Kinder geschlagen zu haben.

Schuld an seinem Rücktritt seien vielmehr die Medien und seine Bischofskollegen Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, und der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Sie hätten „brüderlicher sein müssen“, wirft er ihnen vor. Sie hätten ihn hinter seinem Rücken und aufgrund „haltloser Gerüchte“ bei Papst Benedikt XVI. angeschwärzt und den Papst unter Zugzwang gesetzt, so dass dieser schließlich Mixas Rücktrittsgesuch angenommen habe.

Mixa hatte am 21. April beim Papst um die Entlassung aus dem Amt gebeten, nachdem ehemalige Heimkinder ihm vorgeworfen hatten, sie verprügelt zu haben. Auch hatte ein Anwalt im Auftrag eines Waisenhauses ermittelt, dass Mixa Stiftungsgelder des Waisenhauses zweckentfremdet hatte. Am 24. April habe er sein Rücktrittsgesuch in einem Schreiben an den Papst widerrufen, erklärte Mixa jetzt. Offenbar hat sich Benedikt XVI. davon aber nicht beeindrucken lassen. Am 8. Mai hat der Vatikan Mixas Rücktrittsgesuch angenommen.

Walter Mixa. Foto: dpa
Walter Mixa. - Foto: dpa

In der Zwischenzeit war der Vorwurf hinzugekommen, Mixa habe einen Jugendlichen sexuell missbraucht. Die Vorermittlungen dazu hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile eingestellt. Die Prügelvorwürfe aus seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen bestehen aber weiter. Diese Vorgänge sind strafrechtlich verjährt.

Nachdem er beim Papst um Entlassung gebeten hatte, verbrachte Mixa mehrere Wochen in einem Sanatorium in der Schweiz. Auf Mixas Vorwürfe hin ließ der Münchner Erzbischof Reinhard Marx am Mittwoch mitteilen, „Mixas Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein wichtiger erster Schritt“. Man wünsche ihm gute Genesung. Im Übrigen sei bei seinem Rücktritt „ alles rechtmäßig gelaufen, darüber hinaus gibt es nichts zu sagen“, sagte der Sprecher des Münchner Erzbistums. „Nicht zuletzt im Interesse von Bischof emeritus Mixa sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten.“ Der Sprecher der Bischofskonferenz schloss sich im Namen von Erzbischof Zollitsch dieser Meinung an.

Mixa beschuldigte jetzt auch seinen Generalvikar und einen Weihbischof, an seiner Absetzung mitgewirkt zu haben. Das Augsburger Bistum wollte sich am Mittwoch aber zu den erhobenen Vorwürfen nicht äußern. Auch der seit Mai amtierende Diözesanadministrator Weihbischof Josef Grünwald wollte keine Stellung nehmen. Nur so viel: „Die Verantwortlichen der Diözese haben das Richtige und Notwendige getan und gemäß der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz und der Freisinger Bischofskonferenz gehandelt.“

Dass Mixa versuche, die Entwicklung zurückzudrehen, sei „verheerend“ für das Bistum, sagte der Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold, der oberste Vertreter der Katholiken im Bistum Augsburg. Das Bistum sei tief gespalten über Mixa und müsse zur Ruhe kommen. „Deshalb wäre es am besten, Mixa würde schweigen und sich eine Wohnung außerhalb des Bistums nehmen, bis ein Nachfolger eingearbeitet ist.“ Aber Mixa heize mit seiner Rückkehr ins Bischofspalais und seinen Äußerungen den Streit nur weiter an. Es sei unvorstellbar, dass Mixa wieder ins Bischofsamt zurückkehre. „Es bräuchte jemand, der ihn in die Realität zurückbringt“, sagte Mangold.

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