Bismarck-Tonaufnahmen : "Das ist eine Sensation"

Der Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Ulrich Lappenküper, spricht über den überraschenden Fund von Tonaufnahmen des ehemaligen Reichskanzlers Bismarck.

von
Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung, zeigt sich angesichts der neuen Tonaufnahmen begeistert.
Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung, zeigt sich angesichts der neuen Tonaufnahmen begeistert.Foto: Promo

Wie war es, zum ersten mal Bismarck sprechen zu hören?

Es ist sensationell, eine Stimme zu hören, die bisher stumm war. Von einem Mann, mit dem ich mich seit Jahren beschäftige. Ich wusste bisher nur aus Beschreibungen, wie sie klingen müsste. Das ist eine Sensation, unabhängig davon, was er gesagt hat.

Haben Sie sich die Stimme so vorgestellt?

Nein, ich habe sie mir anders vorgestellt. Bisher war überliefert, dass die Stimme recht hoch gewesen sei. Wenn man sie sich anhört - vorbehaltlich allem, was der mangelnden Tonqualität geschuldet ist - klingt die Stimme nach meinem subjektiven subjektiven Eindruck eher kräftig. Das Bild, das ich von Bismarcks Stimme hatte, hat sich also verändert.

Bismarck zitiert Gedichte und Lieder. Hätten Sie sich nicht von der einzigen Tonaufnahme etwas Bedeutenderes gewünscht?

Video
Otto von Bismarck
Otto von Bismarck, Friedrichsruh, 7. Oktober 1889

Ich glaube, das muss man mit einem Augenzwinkern betrachten, so wie Bismarck es wahrscheinlich auch augenzwinkernd gemeint hat. Man muss sich vorstellen, da kommt so ein Amerikaner auf Promotion-Tour für ein hochmodernes Gerät vorbei und bittet ihn, einige Sätze zu sprechen. Vieles davon wird ihm vielleicht spontan eingefallen sein. Zuerst zitiert er ein amerikanisches Volkslied, vielleicht als Referenz an die Heimat seines Besuchers. Dann „Als Kaiser Rotbart lobesam“ und ein lateinisches Studentenlied. Und schließlich die Marseillaise, das ist natürlich hochinteressant.

Ausgerechnet die Hymne der Franzosen…

Es fällt schwer, aus der großen zeitlichen Distanz zu spekulieren, was Bismarck damals durch den Kopf gegangen sein mag. Es fällt auf, dass es vier verschiedene Sprachen sind. Vielleicht wollte er seine eigene Mehrsprachigkeit zeigen. Zum Schluss dann noch der Ratschlag an den Sohn. Da hätte ich mir dann doch einen politischen Ratschlag gewünscht, statt der Mahnung Maß zu halten mit Arbeit, Essen und Trinken. Bismarcks Sohn Herbert war immerhin Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Aber es ist ja auch bekannt, dass es bei Bismarck selbst mit dem Maß vor allem bei den letzten beiden Dingen nicht so weit her war.

Ulrich Lappenküper ist Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung.

 

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben