Bitkom-Meinungsumfrage : Entscheiden Soziale Kanäle die Wahl?

Bürgernähe, das heißt heute auch Teilnahme an den Sozialen Medien - egal ob Facebook, Twitter oder YouTube. Und ihre Rolle wächst - doch wird sie auch wahlentscheidend?

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Entscheidet sich im Internet, ob Angela Merkel im September Bundeskanzlerin bleibt? Mehr als ein Drittel der Deutschen (37 Prozent) ist davon überzeugt.
Entscheidet sich im Internet, ob Angela Merkel im September Bundeskanzlerin bleibt? Mehr als ein Drittel der Deutschen (37...Foto: dpa

Entscheidet sich im Internet, ob Angela Merkel im September Bundeskanzlerin bleibt? Mehr als ein Drittel der Deutschen (37 Prozent) ist davon überzeugt, dass der Ausgang der Bundestagswahl im September davon abhängt, wie die Parteien das neue Medium im Wahlkampf nutzen. Das ist das Ergebnis einer nun vorgestellten Meinungsumfrage im Auftrag der Hightech-Verbandes Bitkom. Doch obwohl das Internet auch im Wahlkampf eine immer größere Rolle spielt, nutzt nur ein verschwindend kleiner Teil der 62 Millionen Wahlberechtigten die Online-Angebote deutscher Politikerinnen und Politiker.

„Online-Kampagnen entscheiden die Bundestagswahl“, verkündete vollmundig der Pressetext, den der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) am Dienstag zu seiner Pressekonferenz verteilen ließ. Doch diese Voraussage war wohl etwas voreilig. Denn von Verhältnissen wie in Amerika, wo das Internet beim ersten Wahlsieg von Präsident Barack Obama eine wichtige Rolle spielte, ist Deutschland noch weit entfernt, wie die Präsentation der von Forsa-Chef Manfred Güllner zusammengestellten Umfragedaten zeigte. Und die klassischen Medien wie Fernsehen und Zeitungen bleiben für deutsche Wähler noch immer die wichtigsten Informationsquellen.

Im „Social-Media-Ranking“ der Bundestagsabgeordneten führt zwar Kanzlerin Angela Merkel mit fünffach besseren Werten als die zweitplatzierte Familienministerin Kristina Schröder (ebenfalls CDU) oder der drittplatzierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. 246.000 Follower in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, YouTube, Xing, Google+ und anderen kann Merkel vorweisen, während Schröder nur auf knapp 44.000 und Steinbrück auf rund 43.000 Follower kommt. Doch im Vergleich mit den 35 Millionen Facebook-Freunden und den 31-Millionen Twitter-Followern Barack Obamas ist das vergleichsweise mau. „There is room for improvement“ („Da ist noch Luft nach oben“), kommentierte da selbst Bitkom-Präsident Dieter Kempf, der sonst selten eine Gelegenheit auslässt, die Vorzüge und Chancen neuer Technologien für die deutsche Gesellschaft und Politik in höchsten Tönen zu preisen.

Auch viele deutsche Politiker, die nicht prominent sind und nicht im Kabinett sitzen, haben inzwischen die Bedeutung sozialer Netzwerke erkannt. 86 Prozent der Bundestagsabgeordneten haben demnach mindestens ein Social-Media-Profil. 76 Prozent sind auf Facebook aktiv, 50 Prozent nutzen Twitter und 41 Prozent YouTube.

Zwar wird das Internet als Informationsquelle für politische Themen immer wichtiger: 60 Prozent der Befragten – und damit 15 Prozentpunkte mehr als noch vor vier Jahren – nutzen es, um sich die Welt der Politik zu erschließen und sich auf dem Laufenden zu halten. Doch 91 Prozent nutzen Fernsehen, 75 Prozent Tageszeitungen und 70 Prozent Radio. Selbst in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen liegt das Fernsehen (90 Prozent) weiter vorn, während Internet und Tageszeitungen gleich häufig genannt werden (80 Prozent). Und unter den Angeboten, die von Usern zu politischen Themen angeklickt werden, liegen die Webseiten klassischer Medien (93 Prozent) weit vor Sozialen Netzwerken (55 Prozent) und Webseiten von Nichtregierungsorgansiationen (43 Prozent) und denen von Parteien (24 Prozent). Die Deutschen wollten sich über Politik nicht auf das Urteil anonymer Beiträger im Netz verlassen, sondern suchten „ schon noch die Sicherheit einer journalistischen Qualität“, lautete die Erklärung von Bitkom-Chef Kempf dazu.

Merkels erster Platz im „Social-Media-Ranking“ ist nach dem Urteil Kempfs übrigens nicht nur das Ergebnis ihrer unschlagbaren Popularität als Bundeskanzlerin. „Es ist sichtbar, dass sie in ihrer Öffentlichkeitsarbeit moderne Medien besonders intensiv nutzt“, meinte er. Für den Präsident eines Verbandes, der neue Technologien und neue Medien offensiv propagiert, gibt es wohl kaum ein größeres Lob. 

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