"Breitbart News" und die AfD : Trumps Haus- und Hofmedium will die AfD unterstützen

Die rechtsgerichteten „Breitbart News“ waren eng mit Donald Trumps Kampagne verflochten. Jetzt wollen sie nach Deutschland - um der AfD zu helfen.

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Die Webseite der Breitbart News.
Die Webseite der Breitbart News.Foto: Screenshot

Er ist erst 30 Jahre alt und hat doch für den Erfolg von Donald Trump eine nicht unwichtige Rolle gespielt. Alexander Marlow ist Chefredakteur des „Breitbart News Network“, eines Medienunternehmens, das rechtsgerichtete Kreise in den USA seit 2008 mit Kampagnenjournalismus versorgt und eng mit der Wahlkampfmaschine von Trump verflochten war. Der ungewöhnliche Name geht auf Firmengründer Andrew Breitbart zurück, der 2012 im Alter von 43 Jahren starb. Sein Ziel war es, eine „,Huffington Post‘ von rechts“ zu gründen.

Marlow war sein erster Angestellter bei „Breitbart News“, das nicht nur eine Webseite betreibt, sondern auch eigene Radiosendungen und Podcasts anbietet. Er sieht sich selbst als Teil einer „rechten Gegenkultur“. Marlow ließ nicht nur viele Berichte veröffentlichen, die Hillary Clinton denunzieren sollten, sondern griff auch die Führung der Republikanischen Partei und den parteinahen Sender „Fox News“ scharf an. Einer größeren Öffentlichkeit wurde „Breitbart News“ durch mehrere Scoops bekannt, vor allem die Enthüllung des „Sexting“-Skandals des früheren demokratischen Kongressabgeordneten Anthony Weiner, der per Twitter anzügliche Fotos verbreitet hatte und zurücktreten musste.

Einen Ableger in London gibt es schon

Wie eng die Verflechtungen mit Trump sind, zeigte sich spätestens, als Firmenchef Stephen Bannon im Sommer von Trump als Kampagnenmanager verpflichtet wurde. „Breitbart News“ war auch die Nachrichtenseite, die von der offiziellen Trump-Webseite am häufigsten verlinkt und zitiert wurde. Die Nähe zu Trump hatte zuvor zu internem Streit geführt. Einige Journalisten verließen die Firma, nachdem die Reporterin Michelle Fields ausgesagt hatte, von Trumps Ex-Mitarbeiter Corey Lewandowski angegriffen worden zu sein. Sie kündigte, weil sie sich von der eigenen Führung nicht ausreichend unterstützt fühlte.

„Breitbart News“ liegt inzwischen auf Platz 34 der meistgelesenen Medienseiten der USA. Wie Alexander Marlow nun ankündigte, will die Seite den Rückenwind durch Trumps Sieg nutzen, um nach Europa zu expandieren. Einen Ableger in London, der für den Brexit agitierte, gibt es schon. Konkret sprach Marlow von neuen Standorten in Deutschland und in Frankreich. Ziel sei es, gewählte rechtspopulistische Politiker in beiden Ländern zu unterstützen. Mit der AfD und dem Front National sind dort zwei entsprechende Parteien zurzeit erfolgreich. „Breitbart News“ will deren Aufstieg nutzen, um mit der Verbreitung von Verschwörungstheorien und entsprechender Propaganda auch in diesen Ländern Geld zu verdienen. In den USA und in Großbritannien ist das offenbar schon gelungen.

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