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Bürgerkrieg in Syrien : Golfstaaten bieten Rebellen Waffen an

Die syrische Opposition setzt auf Waffenlieferungen aus dem Ausland. Das Stadtviertel Baba Amr, Hauptschauplatz der blutigen Auseinandersetzungen in Homs, haben die Rebellen mittlerweile aufgegeben.

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Einer von ihnen. Bürger von Homs beten am Sarg eines Soldaten der „Freien syrischen Armee“. Foto: Zohra Bensemra/rtr
Einer von ihnen. Bürger von Homs beten am Sarg eines Soldaten der „Freien syrischen Armee“. Foto: Zohra Bensemra/rtrFoto: REUTERS

Für den Kampf gegen die Führung von Präsident Baschar al Assad wollen Teile der syrischen Opposition Waffenlieferungen aus dem Ausland organisieren. Der Syrische Nationalrat (SNC) kündigte am Donnerstag an, die Ausrüstung der Aufständischen über ein vermutlich in der Türkei angesiedeltes „Militärisches Büro“ zu koordinieren. Mehrere arabische Golfstaaten – Saudi-Arabien, Katar, Kuwait – kündigten an, sie wollten Waffen an die Deserteure der sogenannten Freien Syrischen Armee liefern.

Dass auf diesem Weg auch deutsche Waffen nach Syrien gelangen könnten, wollte Otfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (Bits) im Gespräch mit dem Tagesspiegel nicht ausschließen. Der Bits- Leiter äußerte sich aber zurückhaltend, weil Deutschland „keine Kriegswaffen, sondern nur Komponenten“ in diese Golfstaaten liefere. Es könne aber eine Situation wie im vergangenen Jahr in Libyen eintreten, dass zum Beispiel mit Frankreich gemeinsam hergestellte Waffen von Frankreich exportiert und so über Umwege in die Hände syrischer Rebellen gerieten, sagte Nassauer.

Unterdessen halten Russland und China in den Vereinten Nationen unbeirrt ihre schützende Hand über das Assad-Regime. Moskau und Peking stimmten am Donnerstag im UN-Menschenrechtsrat gegen eine scharfe Verurteilung der Führung in Damaskus. Der Rat insgesamt nahm die Syrien-Resolution mit großer Mehrheit an. Dafür stimmten 37 der 47 Mitglieder. „Russen und Chinesen stehen ziemlich alleine da“, hieß es.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hat die syrische Armee am Donnerstag die vollständige Kontrolle über das Viertel Baba Amr in der Oppositionshochburg Homs erlangt. Die letzten „Widerstandsnester“ seien gefallen, hieß es. Die Soldaten verteilten nun Lebensmittel an die Bevölkerung und brächten Verletzte in Sicherheit. Das Viertel der Rebellenhochburg Homs lag seit mehr als drei Wochen unter Dauerbeschuss der syrischen Armee. Bei den Kämpfen wurden nach Angaben von Aktivisten am Donnerstag mindestens 17 Zivilisten getötet.

Die in Syrien verletzte französische Journalistin Edith Bouvier ist in Sicherheit. Der französische Präsident Nikolas Sarkozy bestätigte in Brüssel entsprechende Informationen aus dem Libanon. Nach Angaben von syrischen Oppositionellen konnte die 31-Jährige am Donnerstag aus der Provinz Homs in den Libanon geschmuggelt werden. Zusammen mit Bouvier konnte der französische Fotograf William Daniels in Sicherheit gebracht werden. Er hatte gemeinsam mit der 31-Jährigen für die französische Zeitung „Le Figaro“, aber auch für das „Time Magazine“ gearbeitet. Er soll unverletzt sein.

Bouvier war nach Angaben eines mutmaßlichen Mitgliedes der sogenannten Freien Syrischen Armee zunächst in der Nacht zum Dienstag mit dem britischen Fotografen Paul Conroy in Richtung libanesischer Grenze unterwegs gewesen. Dort seien sie von Truppen von Präsident Baschar al-Assad mit Artilleriegeschützen angegriffen worden. Ein Teil der Gruppe habe mit Conroy die Grenze erreicht. Ein anderer Teil habe Bouvier, die wegen ihrer Beinverletzung nicht laufen konnte, zurück nach Homs gebracht. Bouvier und Conroy waren in der umkämpften Stadt Homs zusammen mit weiteren Kollegen in einen Artillerieangriff geraten. Die amerikanische „Sunday-Times“-Kriegsreporterin Marie Colvin und der französische Fotograf Remi Ochlik kamen dabei ums Leben. Sie wurden nach Angaben von Oppositionellen mittlerweile vor Ort beerdigt. Eine Aufbewahrung der Leichen sei nicht möglich gewesen, weil es keinen Strom für die notwendige Kühlung gebe, hieß es.

Nach Informationen des französischen Radiosenders „France Info soll von Bouvier von Beirut aus so schnell wie möglich nach Frankreich ausgeflogen werden. Ihr schwerer Beinbruch muss nach Angaben der „Figaro“-Redaktion dringend operiert werden.

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