Bürgerrechtler Hans-Jochen Tschiche : "Gauck ist die falsche Person"
23.02.2012 00:00 Uhr- 19.02.2012: Joachim Gauck wird erneut zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Anders als vor zwei Jahren, als der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und evangelischer Pastor in... - Foto: dpa
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Seit der Benennung Joachim Gaucks als Kandidat für das Bundespräsidentenamt grummelt es in verschiedenen Kreisen früherer DDR-Bürgerrechtler. Nun ist einer von ihnen mit kritischen Worten an die Öffentlichkeit gegangen: Hans-Jochen Tschiche, einst Pfarrer in der DDR und Leiter der Evangelischen Akademie in Magdeburg, gehörte 1989 zu den Gründungsmitgliedern des Neuen Forums, war Abgeordneter der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer und danach acht Jahre lang Fraktionsvorsitzender der Bündnisgrünen im Landtag von Sachsen-Anhalt.
Die deutsche Öffentlichkeit tue nach der Nominierung Gaucks so, „als hätte sie nach einigen Nieten nun das große Los gezogen.
Sie behängt ihn mit Würdigungen, die er nicht verdient“, erklärte der 82-jährige Tschiche am Mittwoch in einer Stellungnahme. Gauck habe sich in München bei einer Preisverleihung mit den Geschwistern Scholl vergleichen lassen „und wurde noch nicht einmal schamrot. Er hat niemals zur DDR-Opposition gehört, deren Akteure man im heutigen Sprachgebrauch Bürgerrechtler nennt. Er verließ erst Ende 1989 die schützenden Mauern der Kirche und kam über das Neue Forum in die Volkskammer“, so Tschiche. Gauck reise „ohne Skrupel“ auf dem Ticket Bürgerrechtler durch die politische Landschaft. „Er ist kein Vater der protestantischen Revolution, sondern er gehört zu denen, die sie beendet haben.“
Tschiche bescheinigt Gauck, dieser sei endlich „dort angekommen, wo er schon immer hin wollte – im konservativen Teil der westlichen Gesellschaft“. Aber genau dieser Teil der Gesellschaft habe den Markt entfesselt. „Die Konservativen haben die Geister gerufen, die ganze Länder in die Pleite treiben.“
„Gauck ist die falsche Person“, resümiert der ehemalige DDR-Bürgerrechtler. Seine bündnisgrünen Parteifreunde will er trotzdem nicht auffordern, in der Bundesversammlung Gauck die Zustimmung zu verweigern. „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“, sagte Tschiche dem Tagesspiegel.




































