Bundesagentur für Arbeit : Jeder dritte Arbeitslose wird in Leiharbeit vermittelt

Die Bundesagentur für Arbeit vermittelt immer noch viele Arbeitslose in Leiharbeit. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke findet das "nicht akzeptabel".

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Jeder dritte Arbeitslose wird von der BA in Leiharbeit vermittelt
Jeder dritte Arbeitslose wird von der BA in Leiharbeit vermitteltFoto: dpa

Fast jeder dritte Arbeitslose, den die Bundesagentur für Arbeit (BA) in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt, landet in der Leiharbeitsbranche. Zwischen Dezember 2013 und November 2014 wurden insgesamt 262 000 Personen von der BA in Arbeit gebracht, etwa 81 000 fanden eine Anstellung in einer Leiharbeitsfirma (30,7 Prozent). Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Grünen-Politikerin kritisiert Vermittlungspraxis der Arbeitsagenturen


Die Grünen-Politikerin Beate Müller-Gemmeke kritisierte diese Vermittlungspraxis. „Die BA fördert die Leiharbeitsbranche, die immerhin nur 2,6 Prozent der Gesamtbeschäftigung ausmacht, in unverhältnismäßigem Maße. Das ist nicht akzeptabel und nicht vertretbar“, sagte die Sprecherin für Arbeitnehmerrechte dem Tagesspiegel. Zum Vergleich: Betrachtet man die Zahl der Arbeitslosen insgesamt, die in dem Zeitraum aus der Arbeitslosigkeit in die Leiharbeit wechselten (auch ohne eine Vermittlungsaktivität der BA), so lag ihr Anteil mit 17,2 Prozent deutlich unter den 30,7 Prozent der BA.

Müller-Gemmeke monierte insbesondere, dass rund zwei Drittel (65 Prozent) der Betroffenen davor nicht einmal ein Jahr arbeitslos gewesen seien. So fanden laut der kleinen Anfrage gut 52 000 Arbeitslosengeld I-Empfänger durch Vermittlung der BA einen Job in der Leiharbeit. „Diesen Arbeitslosen müsste die BA vorrangig unbefristete und sichere Beschäftigungsverhältnisse anbieten“, forderte Müller-Gemmeke. Diese Arbeitslosen hätten keine "Vermittlungshemmnisse", sie benötigten daher auch nicht die Leiharbeit als "Brücke" in den Arbeitsmarkt. Bei den Hartz-IV-Empfängern lag der Anteil bei 35 Prozent, das entspricht 28 000 Personen.

Bundesrechnungshof rügt: Zu viele Arbeitslose in Leiharbeit

Der hohe Anteil der Vermittlungen in Leiharbeit steht seit längerem in der Kritik, der Bundesrechnungshof hatte sich bereits Ende 2012 damit auseinander gesetzt. In ihrem Bericht bemängelten die Prüfer damals, dass Leiharbeit für die Vermittelten Nachteile und Risiken mit sich bringe: etwa ein "höheres Entlassungs- und Armutsrisiko". Auch die Gewerkschaftsvertreter hatten im Verwaltungsrat der BA bemängelt, dass der Anteil der Vermittlungen in Leiharbeit in den letzten Jahren spürbar gestiegen war.

BA-Vorstand Frank Jürgen Weise sprach darauf hin von „Fehlentwicklungen“ und kündigte Anfang 2013 an, die Steuerung so umzustellen, dass intern die Arbeitsagenturen belohnt werden, die stärker die Qualität der Vermittlung berücksichtigen. Dazu gehört etwa die Dauer einer neuen Beschäftigung.


Für Müller-Gemmeke ist trotz dieser Ankündigungen noch keine Trendwende in Sicht. „Noch immer steht die schnelle Vermittlung im Mittelpunkt, um hohe Vermittlungszahlen zu erreichen“, sagte die Grünen-Politikerin. Die Kernaufgabe der Bundesagentur sei aber die „nachhaltige Vermittlung in dauerhafte Arbeit“. Dieser Aufgabe werde die BA noch immer nicht gerecht. Laut der kleinen Anfrage wechselten im Jahr 2013 insgesamt 2,234 Millionen Arbeitslose in Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt. Von ihnen waren nach einem Monat 325 000 in der Leiharbeit tätig, nach sechs Monaten war ihre Zahl auf 190 000 Personen zurückgegangen, nach einem Jahr lag sie bei 126 000 Personen.

Anteil der Leiharbeit an der Beschäftigung insgesamt liegt bei 2,6 Prozent

Insgesamt gab es im Juni 2014 nach der Beschäftigtenstatistik knapp 780 000 Beschäftigte in der Leiharbeitsbranche, damit lag der Anteil an der sozialversicherungspflichtigen Gesamtbeschäftigung bei 2,6 Prozent. Etwa 15 Prozent der Leiharbeitnehmer waren im Alter von 15 bis 25 Jahren, 64 Prozent im Alter von 25 bis unter 50 Jahren und 21 Prozent im Alter von 50 bis unter 65 Jahren.

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