Bundespräsident in der Kritik : Urlaubsreisen werden zur Staatsaffäre

18.12.2011 17:49 Uhrvon und
  • Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht. Foto: dpa
    Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht. - Foto: dpa
  • Nach bezahlten Urlauben und anderen Skandalen: Christian Wulffs Ex-Frau gerät auch in den Fokus der Ermittlungen. Die Juristin wurde von einer Anwaltskanzlei angestellt - hat aber für eine Wirtschaftsprüfungsfirma gearbeitet. Die seltsame Konstruktion bringt die Arbeitgeber in Erklärungsnot. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Foto: dapd
    Nach bezahlten Urlauben und anderen Skandalen: Christian Wulffs Ex-Frau gerät auch in den Fokus der Ermittlungen. Die Juristin wurde von einer Anwaltskanzlei angestellt - hat aber... - Foto: dapd
  • Anfang März wird das Haus des Ex-Bundespräsidenten in Großburgwedel durchsucht. Sein Computer wird beschlagnahmt. Foto: dpa
    Anfang März wird das Haus des Ex-Bundespräsidenten in Großburgwedel durchsucht. Sein Computer wird beschlagnahmt. - Foto: dpa

Unternehmer als enge Freunde – das beschert Christian Wulff jetzt Ärger. Welche Vorteile hat er in Anspruch genommen?

Für den Bundespräsidenten hat die Adventszeit derzeit wahrlich nichts Besinnliches. Oder ist es vielleicht gerade das, was Christian Wulff jetzt besonders nötig hat – sich zu besinnen? Die Umstände, unter denen er im Jahr 2008 einen Privatkredit über eine halbe Million Euro bekam, sind noch immer Gegenstand öffentlicher Erörterung. Nun lässt er seinen Anwalt eine Liste mit Urlaubsreisen veröffentlichen. Sie soll dokumentieren, wann und wie oft Wulff bei befreundeten Unternehmern zu Gast war.

Worüber gibt die Urlaubsliste Auskunft?

Wulffs Anwalt Gernot Lehr aus Bonn reagierte mit der Veröffentlichung der Liste nach eigenen Angaben auf entsprechende Medienanfragen. „Diese Transparenz schließt an die Offenlegung der Details zu einem Privatkredit für den Erwerb seines Eigenheims in Burgwedel an“, erklärt Lehr. Wulff habe während seiner Amtszeit als Ministerpräsident „seine Urlaube in der Regel in Hotels und Ferienanlagen gebucht. Gelegentlich hat er seine Ferien abgeschieden von der Öffentlichkeit bei befreundeten Familien verbracht. Diese Urlaubsaufenthalte, die überwiegend gemeinsam mit den jeweiligen langjährigen Freunden stattfanden, hatten keinen Bezug zu seinen öffentlichen Ämtern. Dieses Verhalten steht uneingeschränkt in Einklang mit den Regelungen des niedersächsischen Ministergesetzes“, heißt es in der Mitteilung des Anwalts.

In den Jahren 2003 und 2004 war die Familie Wulff demzufolge jeweils einmal Gast der Familie Edith und Egon Geerkens in deren privaten Räumlichkeiten in Spanien. Der Privatkredit des Paares an Wulff hatte die Affäre kürzlich ins Rollen gebracht. 2008 waren die Wulffs zu Gast bei dem Ehepaar Ingrid und Wolf-Dieter Baumgartl in deren privaten Räumlichkeiten in Italien, heißt es. Bei Baumgartl handelt es sich um den Aufsichtsratschef der Talanx-Versicherungsgruppe. 2008 und 2009 hätten sich die Wulffs bei dem Ehepaar Angela Solaro und Volker Meyer in deren privaten Räumlichkeiten auf Norderney aufgehalten. Diese besitzen auf der Nordseeinsel ein Süßwarenspezialitätengeschäft und andere Strandläden. Zum Jahreswechsel 2009/2010 sei das Ehepaar Wulff erneut zu Gast bei der Familie Edith und Egon Geerkens gewesen, diesmal in deren Anwesen Coral Springs in Florida. Weiter wird mitgeteilt: „Herr Wulff hat in seiner Amtszeit als Bundespräsident keine Urlaube in privaten Räumlichkeiten von Freunden verbracht. Bekannt ist, dass er im Jahr 2010 ein Appartement in der Ferienanlage von Herrn Maschmeyer auf Mallorca gemietet hatte.“ Die enge Freundschaft zu dem Gründer des umstrittenen Finanzdienstleisterunternehmens AWD, Carsten Maschmeyer, hatte Wulff schon in der Vergangenheit in die Schlagzeilen gebracht.

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