Bundestagswahl : Jeder siebte Bürger geht niemals wählen

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat die Gruppe der Nichtwähler untersucht. Das Ergebnis: Den typischen Abstinenten gibt es nicht. Neben den Totalverweigerern stehen die "Wähler auf Urlaub".

Hülya Gürler

Drei Monate vor der Bundestagswahl stellt eine Forsa-Studie fest: Jeder siebte Deutsche geht nie wählen. Rund 14 Prozent sind demnach in den letzten 15 Jahren „Dauer-Nichtwähler gewesen. Das Institut fragte im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung insgesamt 3501 Wahlberechtigte. Knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) hat nur einmal nicht gewählt. Ein zentrales Ergebnis der Studie lautet: Dauer-Nichtwähler stammen überproportional stark aus den nicht privilegierten Schichten der Gesellschaft. Sie haben eine größere Distanz zur Politik, sind mit ihr unzufriedener und stellen auch die Demokratie häufiger in Frage als andere Nichtwähler. Neun Prozent aller Nichtwähler geben an, „Anti-Demokraten“ zu sein – bei den Dauer-Nichtwählern sind es 19 Prozent.

 Es gibt außerdem den typischen Wahlverweigerer nicht. Neben den Dauer-Nichtwählern stehen die „Wähler auf Urlaub“. Diese sehen sich nach wie vor in das politische Geschehen eingebunden und interessieren sich für die Politik. 77 Prozent der Nichtwähler beispielsweise halten Wahlen für ein hohes Gut, allerdings sagen 32 Prozent auch, durch die Stimmabgabe könne „man am Gang der Dinge nichts ändern“. Nicht die Unzufriedenheit mit den politischen und gesellschaftlichen Zuständen an sich ist ausschlaggebend dafür, dass Menschen den Wahlen fernbleiben. Es sind mit 33 Prozent eher die politischen Akteure sowie die politischen Inhalte (16 Prozent). Persönliche oder formale Gründe wie das Wahlsystem oder die Entfernung zum Wahllokal werden selten als Grund für die Wahlenthaltung genannt.

 Nichtwähler wollen eine „Politik des Kümmerns“, hat die Studie ergeben. Politiker sollten „wieder ein offenes Ohr für die wirklichen Sorgen und Nöte der Menschen“ haben. Das sagen 87 Prozent. Sie sollen außerdem unnötigen Streit vermeiden und Probleme im Konsens lösen. Das würde sie auch motivieren, mehr zur Wahl zu gehen. Wichtig sind den Nichtwählern dabei ein gutes Bildungssystem, ein gutes Gesundheitswesen, die Sicherung der Altersvorsorge sowie der Arbeitsplätze.

 Den Hintergrund der Studie bilde, so ihre Autoren, die Erkenntnis, dass die Wahlbeteiligung in Deutschland in der Tendenz seit Jahren sinke. Die Gründe dafür und die Herkunft der Nichtwähler seien bisher kaum bekannt gewesen. Diese Wissenslücke schließe die Studie aber nur teilweise. Befragt wurden die Beteiligten, um herauszufinden, ob die Wahlenthaltung ein Zeichen von Politikverdrossenheit oder Demokratiemüdigkeit sei.

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