Bundeswehr : Soldaten als Geringverdiener

Ist es lukrativ zur Bundeswehr zu gehen? Der Brutto-Stundenlohn für die meisten Soldaten liegt bei drei bis fünf Euro.

Felix Schirrmann

Berlin - Angesichts sinkender Bewerberzahlen rückt die Entlohnung deutscher Soldaten zunehmend in den Mittelpunkt der Kritik. „Der Bewerbermangel lässt sich natürlich auch auf die schlechte Bezahlung zurückführen“, warnt deshalb Jürgen Soldner, Leutnant der Luftwaffe und Verdi-Vertreter aus Berlin. Dies trifft allerdings nur im nationalen Vergleich zu. Auf internationaler Ebene verdienen deutsche Soldaten meist mehr als ihre ausländischen Kameraden. Zudem gehören die Auslandszulagen der Bundeswehr mit zu den höchsten unter den Nato-Armeen.

In Deutschland verdienen deutsche Soldaten im Schnitt weit weniger als Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft. Die Sold-Höhe, abhängig von Dienstgrad, Alter und familiärem Stand, beträgt für einen ledigen Unteroffizier ohne Kinder und 26 Jahre alt, rund 1800 Euro brutto im Monat. Ein Hilfsarbeiter erhält hundert Euro mehr. Auch der Verdienst eines 30-jährigen Hauptfeldwebels fällt mit ungefähr 2 400 Euro geringer aus als der Lohn eines Zimmerers. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Hauptfeldwebel verheiratet ist und zwei Kinder hat. Für Offiziersdienstgrade sieht die Situation nicht besser aus. 3 100 Euro verdient ein verheirateter 30-jähriger Hauptmann mit zwei Kindern. Ein Maschinenbauschlosser bekommt ein ähnliches Gehalt. Weitaus höher ist dagegen das Einstiegsgehalt eines Lufthansapiloten von rund 4 700 Euro, und auch Ärzte haben mit 6051 Euro im Schnitt ein besseres Einkommen.

Ein Vergleich mit anderen Nato-Armeen zeigt indes, dass der Bundeswehr- Sold sehr hoch ist. Franzosen, Holländer und Amerikaner verdienen im Schnitt bis zu 800 Euro weniger. Polnische Soldaten bekommen sogar nur die Hälfte des deutschen Solds. Lediglich in der britischen Armee verdienen Soldaten mehr als in der Bundeswehr, was jedoch den höheren Lebenshaltungskosten in Großbritannien geschuldet sein dürfte.

Auch die deutschen Auslandszulagen sind höher als in anderen Armeen. Bei einem Aufschlag von täglich 92,03 Euro verdienen Soldaten, in einem Einsatz von sechs Monaten Dauer, rund 16 500 Euro steuerfrei dazu. Die kanadische Armee gibt im Schnitt 31 Euro am Tag für ihre Soldaten extra aus. Je nachdem, wie oft sich ein kanadischer Soldat für Afghanistan verpflichtet, können täglich bis zu 30 Euro dazukommen. Dagegen erhalten holländische Soldaten einen Auslands-Aufschlag von 89 Euro plus eine Vergütung von 26 Euro, allerdings sind die 89 Euro abgabenpflichtig. Mit einer Zulage von 88 Euro ist die Zulage für britische Soldaten in Afghanistan ähnlich hoch. Im Irak erhöht sich die Zulage um rund 30 Euro.

Franzosen und Polen berechnen ihre Auslandszulagen, im Gegensatz zur Bundeswehr, nach dem Dienstgrad. Deshalb verdienen französische Soldaten zwischen 50 und 110 Euro am Tag mehr. Die polnische Armee vergütet die Auslandseinsätze ihrer Offiziere mit rund 88 Euro täglich. Unteroffiziere verdienen jedoch nur 60 Euro zusätzlich.

Die Diskussion um geringe Soldatengehälter gibt es auch in anderen Nato-Staaten. In Großbritannien kritisieren ehemalige Militärs, dass die Bezahlung im Auslandseinsatz unter dem gesetzlichen Mindestlohn läge. Sie begründen den Vorwurf mit der ständigen Abberufbarkeit eines Soldaten im Ausland, weshalb sie theoretisch 24 Stunden im Dienst seien. Die Einschätzung trifft auch auf deutsche Soldaten zu. Der Bruttostundenlohn für die Mehrheit der Soldaten bewegt sich zwischen drei und fünf Euro. In Deutschland verdient dagegen ein Handwerker im Schnitt 13 Euro. Durch die zusätzliche Auslandszulage, die einem Stundenlohn von knapp vier Euro entspricht, können Bundeswehrsoldaten ihren Sold jedoch enorm erhöhen.

Verdi-Vertreter Soldner verweist dennoch auf die kritische finanzielle Lage der Soldaten: „Bei vielen Nato-Streitkräften gibt es Zulagen, die es bei der Bundeswehr so nicht gibt, deshalb ist ein direkter Vergleich schwer“. Aber deutsche Soldaten verdienten zu wenig.

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