CDU auf Rügen : Aufgestellt und ausgeschlossen

CDU-Debakel vor Nachwahl auf Rügen

Johannes Uhl

Berlin - Es sind stürmische Zeiten für die CDU auf Rügen. Erst wurde die Landtagswahl in einem Wahlkreis auf der Insel verschoben, nachdem der dortige christdemokratische Kandidat verstorben war. Dann nominierte die CDU zwar einen Kandidaten für die fällige Nachwahl im Wahlkreis Rügen I. Doch nun hat die Partei ihren Ersatzkandidaten ausgeschlossen – er war früher Mitglied und Funktionär der rechtsextremen DVU.

Ende August hatte die CDU den Bürgermeister der Rügener Schwesterinsel Hiddensee, Thomas Gens, als Landtagskandidaten für den Wahlkreis Rügen I nominiert. Der ursprüngliche Bewerber war gestorben, deshalb musste die Wahl verlegt werden. Dann wurde Gens’ rechtsextreme Vergangenheit bekannt. Der Rügener CDU-Kreisverband schloss ihn daraufhin aus der Partei aus. Gens bleibt trotzdem Direktkandidat, und auch die Nachwahl findet wie geplant am 18. September statt. Die Widerspruchsfrist sei abgelaufen, erklärte die Landeswahlleitung. Auf den Stimmzetteln wird Gens weiterhin als CDU-Kandidat aufgeführt. Die Partei rät ihren Anhängern inzwischen, einen anderen Bewerber zu wählen.

Gens war von 1998 bis 2002 Mitglied der DVU gewesen. Zeitweise hat er dem Kreis- und dem Landesverband der Partei vorgestanden. Inzwischen distanziert sich Gens aber von den Rechtsextremen. „Parteien wie die DVU haben keinen Platz in einer Demokratie. Meine politische Heimat ist und bleibt die CDU“, sagte er. Seit 2004 ist der Kommunalpolitiker Mitglied der Christdemokraten.

Diese werfen Gens vor, die Partei nicht über seine früheren Aktivitäten informiert zu haben. „Wir haben erst durch die Medien hiervon erfahren“, sagte ein Sprecher der Landes-CDU. Gens wies diese Vorwürfe zurück: „Die Öffentlichkeit kennt meine Vergangenheit seit Jahren.“ Er prüfe rechtliche Schritte gegen den Parteiausschluss. „Das war eine Kurzschlussreaktion des Kreisvorstandes“, kommentierte Gens.

Lachende Dritte könnten die anderen Wahlkreiskandidaten werden. Falls FDP- Spitzenkandidat Gino Leonhard genügend Erststimmen erhält, könnte so nachträglich doch noch ein Vertreter der Liberalen in den Schweriner Landtag einziehen. Johannes Uhl

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