Chronik : Die Debatte um den Kredit

03.01.2012 00:00 Uhr

Im Oktober 2008 erhielt der damalige Ministerpräsident Wulff einen Kredit des Unternehmers Geerkens. Eine Chronik der Ereignisse.

25. Oktober 2008: Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff erhält von Edith Geerkens, der Gattin des mit ihm befreundeten Unternehmers Egon Geerkens, einen Privatkredit über 500 000 Euro zu einem Zinssatz von 4 Prozent für den Kauf eines Privathauses in Großburgwedel bei Hannover.

Februar 2010: Wulff verneint im Landtag die Anfrage der Grünen, ob er in den vergangenen zehn Jahren geschäftliche Beziehungen zu Geerkens gehabt habe.

21. März 2010: Der Privatkredit wird durch ein günstiges Geldmarktdarlehen der BW-Bank mit einem Zinssatz von zuletzt 2,1 Prozent abgelöst.

17. August 2011: Der Bundesgerichtshof (BGH) entscheidet, dass Journalisten das Grundbuch des Hauses einsehen dürfen, wenn dies für eine journalistische Recherche erforderlich ist.

12. Dezember 2011: Wulff ruft „Bild“- Chefredakteur Kai Diekmann an und versucht das Erscheinen eines Artikel über seinen Privatkredit zu verhindern

13. Dezember 2011: Die „Bild“-Zeitung berichtet über den Kredit und fragt, ob Wulff den Landtag getäuscht habe. Sein Sprecher Olaf Glaeseker teilt mit, Wulff habe damals korrekt geantwortet.

15. Dezember 2011: Wulff räumt in einer schriftlichen Erklärung ein, es sei falsch gewesen sei, den Darlehensvertrag mit Edith Geerkens in der Antwort auf die Grünen-Anfrage nicht zu erwähnen. Zudem sei das Geldmarktdarlehen inzwischen in ein langfristiges Bankdarlehen der BW-Bank umgewandelt worden.

16. Dezember 2011: „Der Spiegel“ berichtet, dass offenbar doch Egon Geerkens der Kreditgeber war.

18. Dezember 2011: Neue Vorwürfe wegen Wulffs Urlaubsreisen zu befreundeten Unternehmern werden laut. Wulffs Anwaltsbüro veröffentlicht eine Liste mit sechs solchen Urlaubsaufenthalten.

19. Dezember 2011: Wulff gewährt Journalisten über ein Anwaltsbüro Einsicht in den Kreditvertrag aus dem Jahr 2008.

20. Dezember 2011: Der umstrittene Unternehmer Carsten Maschmeyer soll der „Bild“ zufolge Zeitungsanzeigen bezahlt haben, mit denen während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs 2007 für Wulffs Buch „Besser die Wahrheit“ geworben wurde. Am Nachmittag lehnt der Ältestenrat des niedersächsischen Landtags mit den Stimmen von CDU und FDP ab, über den Fall Wulff zu beraten.

21. Dezember 2011: Wulff unterschreibt einen Vertrag für einen langfristigen Bankkredit bei der BW-Bank. Der effektive Jahreszins soll bei 3,6 Prozent liegen. Die Anwälte Wulffs räumen ein, dass Egon Geerkens bei der Suche nach dem Haus in Burgwedel beteiligt war und mit Wulff über den Kredit verhandelt hatte. 22. Dezember 2011: Wulff tritt erstmals persönlich in der Affäre an die Öffentlichkeit und entschuldigt sich für seinen Umgang mit den Vorwürfen. Er bekräftigt jedoch, im Amt bleiben zu wollen. Kurz vor seiner Erklärung entlässt Wulff seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker ohne Angabe von Gründen.

1./2. Januar 2012: Nicht die „Bild“-Zeitung, sondern die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und die „Süddeutsche Zeitung“ berichten über den Anruf von Wulff bei „Bild“-Chef Diekmann am 12. Dezember. In einer Erklärung bestätigt das Boulevardblatt später den Vorgang. Tsp/dapd

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