Countdown zur US-Wahl: Noch 30 Tage : The Rumble 2012 - das alternative TV-Duell
07.10.2012 13:58 UhrWas für ein Abend! Was für eine Show! Die Pointen jagen einander, durchwoben von Polemik und Parodie. Ist das Theater, Politik, Satire? Es ist von allem ein bisschen. Und wo steht geschrieben, dass Politik nicht unterhaltsam sein darf? Warum sollte man über „Freiheit statt Sozialismus“ nicht auch lachen? Doch zunächst muss der Ring erklärt werden.
In der linken Ecke: Jon Stewart, Satiriker, Stand-up-Künstler, Gastgeber der liberalen Late-Night-Sendung „The Daily Show“, New Yorker Jude, zweimal moderierte er die Oscar-Verleihung, Kritiker des rechtspopulistischen TV-Senders „Fox News“. Stewarts Einfluss auf den politischen Diskurs in Amerika ist weitaus größer als er selbst (1, 70 Meter).
Darum steht er an diesem Abend im Lisner Auditorium in der George Washington University in Washington D.C. auf einem höhenverstellbaren Podest, fährt mal hoch, mal runter, einmal stellt er gar seinen rechten Fuß aufs Podium.
In der rechten Ecke: Bill O’Reilly, Kult-Moderator von „Fox News“, irischstämmiger Katholik, Bestseller-Autor, Sprachrohr der konservativen Kulturkrieger, aggressiver Interviewer, der seinen Widersachern gern mal das Mikrophon abdreht, Erfinder der „no-spin-zone“ (keine Schwafelei – ja oder nein?), 1, 95 Meter groß. O’Reilly hatte die Idee zu diesem einzig wahren 90-minütigen Schlagabtausch (wann war dieses Wort je treffender?), den man sich am Samstag ab 20 Uhr außerhalb des Auditoriums (Ticket-Schwarzmarktpreise von mehr als tausend Dollar) für 4, 95 Dollar in einem Online-Livestream anschauen konnte. Die Hälfte der Einnahmen wurde an karitative Organisationen gespendet.
Are you ready to rumble? Das klingt nach Wrestling und Boxen. Der offizielle Titel der Veranstaltung lautet daher „The Rumble in the Air-Conditioned Auditorium“, und O’Reilly startet plakativ. Schelmisch zückt der 63-Jährige diverse Pappschilder, hält sie vor die Kamera und liest laut vor. „Bush is gone“ etwa. Die weinerlichen Demokraten sollten nach vier Jahren endlich aufhören, den Vorgänger von Barack Obama für alle Widrigkeiten verantwortlich zu machen. Der amtierende Präsident habe mehr Geld ausgegeben als jeder andere in der amerikanischen Geschichte. Basta.
„Mein Freund Bill O’Reilly ist der Bürgermeister von ,bullshit mountain’“, erwidert Stewart. Er biete einfache Lösungen für komplexe Probleme an. Ein Beispiel dafür sei auch Mitt Romney, der glaube, Amerikas Schuldenlast dadurch reduzieren zu können, dass er Bibo aus der Sesamstraße umbringe. „Wir geben Milliarden an Exxon, wollen uns aber kein öffentlich-rechtliches Fernsehen mehr leisten?“



























