Das Blutvergießen geht weiter : Die Welt schaut hilflos auf Syrien

Der UN-Sicherheitsrat macht Damaskus für das Massaker in Hula verantwortlich. Das Assad-Regime scheint davon aber unbeeindruckt zu sein. Das Morden in Syrien geht weiter.

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Seine Appelle bleiben ungehört: Syrien-Sonderbeauftragte Kofi Annan in Damaskus. Foto: AFP
Seine Appelle bleiben ungehört: Syrien-Sonderbeauftragte Kofi Annan in Damaskus.Foto: AFP

Nach dem Massaker der syrischen Regierung in dem Ort Hula herrscht bei den Vereinten Nationen ein Gefühl der Ohnmacht. Die Weltorganisation findet keine Mittel, das Blutvergießens in dem arabischen Land zu stoppen. Berichte syrischer Widerstandsgruppen über neue Attacken der Truppen des Assad-Regimes in anderen Orten lassen das Schlimmste befürchten. Der Bürgerkrieg zwischen dem Regime und der Opposition eskaliert – ungeachtet einer seit dem 12. April herrschenden offiziellen Waffenruhe.

Am Sonntag hatte der UN-Sicherheitsrat das Assad-Regime für das jüngste Massaker in Hula in der Nähe der Stadt Homs verantwortlich gemacht. Der Angriff mit 108 Toten, darunter viele Kinder, und Hunderten Verletzten sei „verabscheuungswürdig“. Der Erklärung stimmten alle 15 Mitglieder des Rates zu – auch die Vetomacht Russland. Die Russen gelten als Verbündete Syriens, liefern Waffen an das Assad-Regime. Allerdings einigte sich der Sicherheitsrat nicht auf eine völkerrechtlich verbindliche Resolution. Das Gremium veröffentlichte lediglich ein „Presse-Statement“.

Die Assad-Regierung, die seit März 2011 den Volksaufstand mit brutaler Gewalt bekämpft, bestreitet jede Verantwortung für das Blutbad in Hula. Nach UN-Schätzungen starben in Syriens Bürgerkrieg bisher rund 10.000 Menschen. Überschattet von dem Massaker in Hula hat der Syrien-Sonderbeauftragte Kofi Annan seine Vermittlungsbemühungen mit einem erneuten Besuch in Damaskus fortgesetzt. Er sei „persönlich schockiert und entsetzt“ von den Vorfällen in Hula, sagte Annan am Montag. Er sprach nach seiner Ankunft in Damaskus von einem „Abscheu erregenden Akt mit weitreichenden Konsequenzen“. Der Aufstand gegen Assads Regime in Bildern

Blutiger Aufstand gegen Assad
18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet. Foto: AFPWeitere Bilder anzeigen
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18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Das Blutbad wirft die Bemühungen um eine Beilegung des seit mehr als einem Jahr andauernden Konflikts in Syrien weit zurück. Zu dessen Beendigung hatte Annan einen Sechs-Punkte-Plan vorgelegt, der unter anderem eine Waffenruhe ab Mitte April vorsah, die jedoch nicht eingehalten wird. Annan wollte während seines Besuchs in Damaskus mit Präsident Baschar al Assad, Oppositionsvertretern und General Mood zusammenkommen, wie Regierungssprecher Ahmad Fausi sagte.

Es ist Annans zweiter Besuch in Damaskus seit dem Beginn seiner Vermittlungsmission im Auftrag von Vereinten Nationen und Arabischer Liga vor rund drei Monaten. Russland machte sowohl Damaskus als auch die Opposition für das Massaker verantwortlich. Am Blutbad hätten „offensichtlich beide Parteien“ mitgewirkt, sagte Außenminister Sergej Lawrow nach dem Treffen mit seinem britischen Kollegen William Hague in Moskau.

Die internationale Gemeinschaft solle den Annan-Plan umsetzen und keinen „Regimewechsel“ in Syrien betreiben. Damaskus selbst wies jede Verantwortung zurück und gab „Terroristen“ die Schuld an dem Massaker. So werden von der Führung des Landes allgemein die gegen Assad kämpfende Aufständischen im Land bezeichnet. Im ganzen Land protestierten nach Angaben von Aktivisten tausende Menschen wegen des Massakers.

(mit AFP)

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