Politik : „Das ist kein Tabubruch“

Familienministerin Schröder warnt vor Verbot der Präimplantationsdiagnostik

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Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Berlin - In der Debatte um ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) hat sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) gegen die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel gestellt. Sie sei persönlich der Überzeugung, Deutschland solle „in sehr engen Fällen – wie etwa auch in Frankreich oder Dänemark – Ausnahmeuntersuchung zulassen“, sagte Schröder dem Tagesspiegel. Voraussetzung müsse sein, dass es „um den Ausschluss von schwersten Krankheiten geht“. Merkel hatte sich am Wochenende für ein PID-Verbot ausgesprochen.

Die CDU-Chefin hatte argumentiert, es sei unmöglich, zwischen einer schwerwiegenden genetischen Krankheit und einem nicht ganz so schwerwiegenden Defekt zu unterscheiden. Schröder warnte dagegen vor überzogenen Befürchtungen gegenüber einer eng begrenzten PID-Zulassung. „Dass dies kein Tabubruch ist, zeigt die breite gesellschaftliche Akzeptanz der ,Pille danach‘ und bestimmter Arten der Spirale“, meinte die Ministerin. Beide Verfahren könnten auch die Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutter hemmen. „Wir machen im gesellschaftlichen Konsens also bereits einen Unterschied zwischen einer befruchteten Eizelle vor und nach der Einnistung in die Gebärmutter“, sagte die CDU-Politikerin. Deshalb gelte eine Handlungen, deren Wirkung vor Abschluss der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, auch nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne des Strafgesetzes.

Die Familienministerin will ausdrücklich keinen Krankheitskatalog als Voraussetzung für eine PID-Zulassung. Es stehe Politikern nicht zu, „das Leben mit bestimmten Krankheiten pauschal als nicht lebenswert zu kategorisieren“, warnte sie. Vielmehr solle der Gesetzgeber ein klares Verfahren vorschreiben, welches beispielsweise sowohl eine Ethikkommission als auch die Konsultation von Ärzten mit einschließen könne.

Schröder warb um Verständnis für die PID-Interessenten. Bei ihnen handle es sich um Frauen und Männer, die sich sich „von Herzen ein Kind wünschen“, meinte die Ministerin. Sie würden schwere und vererbbare Krankheiten in sich tragen und hätten oftmals durch diese Erbkrankheiten schon ein Kind im ersten Lebensjahr verloren. „Diese Menschen sagen trotz allem, was sie durchgemacht haben und durchmachen, ja zu einem weiteren Kind“, meinte Schröder.

Merkel und die Unionsfraktion wollen die Abstimmung über eine PID-Regelung im Bundestag als Gewissensentscheidung freigeben. Die FDP wandte sich gegen ein Verbot. Hans Monath

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