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Das zukünftige Kabinett der großen Koalition : Was hinter den neuen Köpfen steckt

In der großen Koalition werden einige Ressorts neu zugeschnitten und viele neu besetzt. Die spannendsten Wechsel im Überblick.

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Die Regierung steht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr künftiger Vize Sigmar Gabriel (SPD) haben das Personal um sich geschart, mit dem sie die kommenden vier Jahre Regierungszeit bewältigen wollen. Eine Bildergalerie mit den Steckbriefen der künftigen Regierungsmitglieder, den prominentesten Abgängen und den interessantesten Leuten aus der "zweiten Reihe".Weitere Bilder anzeigen
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17.12.2013 17:51Die Regierung steht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr künftiger Vize Sigmar Gabriel (SPD) haben das Personal um sich...

Umwelt und Bau (Barbara Hendricks)

Barbara Hendricks (SPD) übernimmt ein stark geschwächtes Umweltressort. Die Zuständigkeit für erneuerbare Energien muss sie an SPD-Chef Sigmar Gabriel im Wirtschaftsministerium abgeben. Sie bleibt aber zuständig für den Klimaschutz. Darüber wird sie sich vor allem mit Gabriel auseinandersetzen müssen, denn die Energiewende steht im Zentrum der deutschen Klimapolitik. Das gleiche gilt für ihre im Umweltministerium neue Zuständigkeit für das Thema Bauen. Ihre wichtigste Aufgabe wird es sein, das Tempo bei der energetischen Gebäudesanierung zu erhöhen. Auch da ist sie auf Gabriel angewiesen, in dessen Haus offenbar die Zuständigkeit für das Thema Energieeffizienz verbleiben soll. Als Staatssekretär wird sich Florian Pronold um das Thema kümmern. Zudem bekommt Hendricks den Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, und die baden-württembergische Abgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter an die Seite.

Die 61-Jährige bisherige SPD-Schatzmeisterin wird sich als so ziemlich erste Tat mit der Frage auseinandersetzen müssen, wo die Castoren mit radioaktivem Müll aus den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague und Sellafield unterkommen sollen. Denn als Nebenvereinbarung zum Standortauswahlgesetz war beschlossen worden, dass sie nicht mehr ins Zwischenlager Gorleben transportiert werden sollen. Das war ihrem Vorgänger, Peter Altmaier (CDU), nicht gelungen.


Hendricks, die jahrelang Staatssekretärin im Finanzministerium war, steht im Umweltministerium für Kontinuität: Außer Klaus Töpfer hatte kein Amtschef schon vorher Erfahrungen in der Umweltpolitik. Hendricks kommt aus Nordrhein- Westfalen, sie dürfte die Probleme der dortigen Kommunen genau kennen. Ob sie das als Auftrag für das Bauministerium versteht, dürfte nur sie wissen. Sicher ist aber, dass das mit ihrer Zuständigkeit für den Naturschutz kollidieren wird.

Justiz und Verbraucher (Heiko Maas)

Bis 2001 hatten die Agrarminister mit Verbraucherschutz nichts am Hut. Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das war’s für Ertl, Kiechle & Co. Doch dann kam die Grüne Renate Künast und wollte die Gegensätze zusammenbringen. Was nie wirklich funktioniert hat. Auf der einen Seite die knallharten Interessen der Ernährungsindustrie, auf der anderen die Bewahrung vor ebendiesen, und alles im selben Haus? Es ist es nur konsequent, dass der Verbraucherschutz nun wieder aus der Lobbyisten-Anlaufstelle abgezogen wird und dorthin wandert, wo er auch ordentlich Rechtswirksamkeit entfalten kann: im Justizressort. Der Zuständige für beides ist die wohl größte Überraschung im Personaltableau der SPD. Heiko Maas, den Vize-Regierungschef aus dem Saarland, hatte nun wirklich keiner für die Bundespolitik auf dem Schirm.

Drei Wahlen hat Maas in der einstmals roten Hochburg an der Saar als Spitzenkandidat verloren, an sein Regierungsamt dort kam er nur als Juniorpartner der CDU. Doch der Nimbus des Talentierten ist dem einstigen Zögling von Oskar Lafontaine geblieben – und sein derzeitiger Ministerposten ist auch Ausdruck einer gewissen Allrounder-Fähigkeit. Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Energie, das muss man erst mal zusammenbringen. Landesumweltminister war er übrigens auch schon mal. Der stets jünger wirkende 47-Jährige hat sich mit den Jahren vom Linken zum Parteipragmatiker entwickelt, er hat beste Drähte zu Sigmar Gabriel, und er verfügt als Hobby-Triathlet auch über eine beachtliche Zähigkeit. Fürs Justizministerium qualifizieren den Sohn eines Berufssoldaten zwei juristische Staatsexamina. Unterstützt wird Maas vom bisherigen Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, Gerd Billen, Ulrich Kelber und Christian Lange, die Staatssekretäre werden.

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