Politik : Deckname „Paolo Pinkas“

Nur Drogenbesitz oder auch Weitergabe? / Friedman in Nizza

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Berlin (Tsp). Bei ihren Ermittlungen gegen den Fernsehmoderator und VizePräsidenten des Zentralrats der Juden Michel Friedman wegen illegalen Drogenbesitzes stützt sich die Staatsanwaltschaft auch auf die Aussagen von drei aus der Ukraine stammenden Frauen, die in Berlin als Prostituierte gearbeitet haben. Sie wurden im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen eine Schleuserbande verhört. Die Frauen, die sich illegal in Deutschland aufhielten, gaben unabhängig voneinander an, Friedman habe ihnen in einem Berliner Hotel Kokain angeboten, was sie aber abgelehnt hätten. Friedman selbst habe Kokain genommen. Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch in Friedmans Wohnung und in seinem Büro kleinere Mengen Kokain gefunden. Das Ergebnis einer Haarprobe wird in dieser Woche erwartet.

Friedman, der nach der Durchsuchung seiner Räume noch eine Live-Sendung moderiert und danach einen Schwächeanfall erlitten hatte, hält sich zurzeit nach Informationen des Tagesspiegels in Nizza auf. Weder er noch sein Anwalt wollten sich bisher zu den Vorwürfen äußern. Laut „Spiegel“ bestritt Friedmans Anwalt jedoch Hinweise darauf, er habe den Behörden bereits ein Strafangebot unterbreitet. In Ermittlerkreisen wird erzählt, Friedman sei bereit, eine mehrmonatige Haftstrafe auf Bewährung zu akzeptieren, wenn das Verfahren eingestellt würde. In der Spitze der Berliner Justiz wird jedoch gesagt, für eine solche Einigung sei es noch zu früh. Offenbar prüft die Staatsanwaltschaft, ob Friedman sich nicht nur wegen Drogenbesitzes verantworten muss, sondern auch wegen der Weitergabe des Stoffes, wie es die Aussagen der drei Frauen nahe legen. Möglicherweise wird auch ein älteres Verfahren neu aufgerollt, das auf frühere, damals nicht erwiesene Drogenvorwürfe gegen Friedman zurückgeht.

Die Ermittler waren auf Friedman im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die osteuropäische Schleuserbande gestoßen. Dabei wurden auch Telefone abgehört. Den Ermittlern fiel ein Mann auf, der sich angeblich „Paolo Pinkel“ nannte, in Wahrheit aber Friedman war, wie Stimmvergleiche ergaben. Möglicherweise haben sich die Ermittler aber hier in einem unerheblichen Punkt verhört: Friedman benutzt zuweilen den Namen „Paolo Pinkas“.

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