Politik : Der Sudan soll den Südsudan retten

Khartums Präsident Baschir reist nach Juba und unterstützt Präsident Kiir Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Rebellen treten auf der Stelle.

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Einer von etwa 62 000. Ein Junge im Hauptquartier der UN-Blauhelmtruppe Unmiss in Juba. Zehntausende haben sich zu den Friedenstruppen gerettet. Foto: AFP Foto: AFP
Einer von etwa 62 000. Ein Junge im Hauptquartier der UN-Blauhelmtruppe Unmiss in Juba. Zehntausende haben sich zu den...Foto: AFP

Berlin - Nach vier Tagen haben in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba Friedensverhandlungen zwischen der südsudanesischen Regierung und den Anhängern des früheren Vizepräsidenten Riek Machar begonnen. Am Nachmittag trafen die beiden Delegationen erstmals zusammen. Allerdings verhandelten die beiden Gruppen auch am Montag noch immer darüber, worüber sie eigentlich sprechen wollen.

Derweil reiste der Präsident des Sudans, Omar al Baschir, am Montag in die südsudanesische Hauptstadt Juba, um den bedrängten Präsidenten Salva Kiir zu unterstützen. Der britische Sender BBC meldete nach dem Gespräch, Baschir und Kiir würden über „gemeinsame Patrouillen der Ölfelder“ verhandeln, damit sie nicht den Rebellen um Riek Machar in die Hände fielen. Die unabhängige Radiostation Eye Radio Juba zitierte Kiir nach dem Gespräch mit den Worten: „Der Konflikt wird sehr schnell beendet sein.“ Von Baschir wird das Angebot an fliehende Südsudanesen verbreitet, sie könnten gerne „in jedem Teil des Sudans“ leben. Das ist überraschend. Denn der Sudan hat seit der Unabhängigkeit des Südens im Sommer 2009 zehntausende Südsudanesen des Landes verwiesen. Die sind im jüngsten Land der Welt häufig lediglich in improvisierten Flüchtlingscamps untergekommen.

Salva Kiir wiederum hatte fast 30 Jahre gegen die sudanesische Regierung und um die Unabhängigkeit des Südsudan gekämpft. Nun ist er auf die Hilfe des lange verhassten autoritären Herrschers im Norden angewiesen. Mehr als 1000 Menschen sollen seit Ausbruch der Kämpfe am 15. Dezember getötet worden sein. Rund 200 000 Menschen sind auf der Flucht vor der Gewalt, Zehntausende in die benachbarten Länder Uganda, Äthiopien und Kenia geflüchtet. Schon in den ersten Tagen des Machtkampfes zwischen Kiir und Machar und ihren jeweiligen Anhängern ist es in der Hauptstadt Juba aber auch in den Provinzen Jonglei und Unity zu ethnisch begründeten Morden gekommen. Deshalb richteten am Wochenende die Religionsführer des Südsudans einen dramatischen Appell an die Weltöffentlichkeit, die Kämpfe und das Morden schnell zu beenden.

Die ostafrikanische Regionalorganisation Igad bemüht sich seit Tagen, in Addis Abeba Friedensgespräche in Gang zu bringen. Doch beide Delegationen beharren auf Vorbedingungen und zeigen wenig Kompromissbereitschaft. Offenbar versuchen beide Seiten, militärische Fakten zu schaffen, um die Verhandlungsposition zu verbessern. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Montag: „Die Verzögerungstaktik lässt befürchten, dass die Konfliktparteien kein wirkliches Interesse an einer schnellen politischen Konfliktlösung haben.“ Er forderte mehr Druck aus Afrika und von der „internationalen Gemeinschaft“ auf die Konfliktparteien. Das Außenministerium stellte der Welthungerhilfe 495 000 Euro für die Nothilfe zur Verfügung. Dagmar Dehmer

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