Designierter US-Präsident : Trumps Geschäfte bleiben in der Familie

Der kommende US-Präsident will sich von seinem Unternehmen lossagen, um Interessenkonflikte auszuschließen. Aber offenbar sollen Donald Trumps Kinder die Leitung übernehmen.

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Familienbande. Experten befürchten, dass Donald Trump durch seine Kinder weiter Einfluss auf die Geschäfte nimmt.
Familienbande. Experten befürchten, dass Donald Trump durch seine Kinder weiter Einfluss auf die Geschäfte nimmt.Foto: dpa

Wenn der Sohn des designierten US-Präsidenten einen Bock schießt, kann das hochpolitisch sein. Eric Trump, 32, ging vor einigen Tagen in der Nähe des türkischen Badeortes Antalya mit einem Geschäftsfreund auf die Pirsch und erlegte laut Medienberichten zwei Hirschböcke. Da der junge Trump ein hoher Manager im Unternehmen seines Vaters ist und auch bei der Vorbereitung der Präsidentschaft mithilft, lässt der Jagdausflug neue Fragen nach dem Verhältnis zwischen den persönlichen, geschäftlichen und politischen Interessen der Familie aufkommen.

Um die seit dem Wahltag anhaltende Diskussion über dieses Thema zu beenden, will sich Donald Trump von seinem Unternehmen lossagen – aber niemand weiß, wie das gehen soll. Bei Twitter kündigte der künftige Präsident am Mittwoch für den 15. Dezember eine Pressekonferenz an, bei der er zusammen mit seinen erwachsenen Kindern Eric, Donald Jr. und Ivanka darlegen möchte, wie er in den kommenden vier Jahren Interessenkonflikte vermeiden will. Trump will die Pressekonferenz nicht in der Hauptstadt Washington veranstalten, sondern in New York, dem Sitz seines Unternehmens Trump Organization.

Derzeit würden juristische Dokumente angefertigt, "die mich völlig aus unternehmerischen Handlungen herauslösen werden", schrieb Trump. "Das Präsidentenamt ist eine weitaus wichtigere Aufgabe." Einzelheiten zu den Plänen nannte der Immobilien- Milliardär nicht, doch hatte er in den vergangenen Wochen angedeutet, dass er die Leitung seiner Trump Organization in die Hände seiner Kinder legen will.

Überzeugend wäre eine solche familieninterne Konstruktion nicht. Es ist unwahrscheinlich, dass Trump vier Jahre lang kein Wort mit seinen eigenen Kinder über ein Unternehmen wechselt, das seinen Namen trägt. Außerdem spielen Trumps Kinder auch wichtige politische Rollen. Sie sitzen im Komitee zur Vorbereitung der Amtsübernahme ihres Vaters am 20. Januar, und Erics Bruder Donald Jr. traf sich im Oktober mit pro-russischen Syrien-Aktivisten in Paris, die den Sohn des designierten Präsidenten öffentlich als Überbringer von Botschaften an den neuen amerikanischen Staatschef bezeichneten. Trump selbst hat seinen Schwiegersohn Jared Kushner als Nahost-Vermittler ins Gespräch gebracht.

Verbindungen in die Türkei

Experten halten Trumps bisher bekannte Überlegungen für nicht ausreichend. Andere Präsidenten vor ihm übergaben ihr Vermögen für die Dauer ihrer Amtszeit unabhängigen Treuhändern, über deren Geschäftsentscheidungen sie nicht informiert wurden. Doch ein Verkauf an einen Investor von außerhalb der Familie kommt für den neuen Präsidenten offenbar nicht in Frage.

Trumps Unternehmen ist nach einer Meldung des Fernsehsenders CNN in mindestens 25 Ländern tätig, darunter auch in der Türkei, wo Trump ein Bürohochhaus in Istanbul bauen ließ. Ob der türkische Jagdpartner von Eric Trump aus dem Immobiliensektor kam, ist nicht bekannt. Das Beispiel zeigt aber, wie weitläufig die Verbindungen der Präsidentenfamilie sind: Offen ist, wie verhindert werden kann, dass Geschäftsentscheidungen von Trumps Kindern Einfluss auf seine Politik etwa gegenüber der Türkei nehmen. Ähnliches gilt für Interessen der Trump Organization in Saudi-Arabien oder in Katar.

Auch nach seinem Wahlsieg sah Trump bisher keinen Grund, sich aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen. So traf er sich mit indischen Geschäftspartnern, die in Mumbai einen nach Trump benannten Komplex aus Luxuswohnungen hochziehen wollen. Nach Presseberichten erwägen die indischen Unternehmer wegen des Wahlerfolgs von Trump einen weiteren Ausbau ihrer Kooperation mit dessen Firma. Enge Kontakte mit dem Unternehmen des US-Präsidenten sind gut fürs Geschäft, lautet offenbar die Überlegung der Inder.

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