Deutsche Verteidigungsminister : Pleiten, Pech, Skandale

Das Amt des Verteidigungsministers ist in der bundesdeutschen Geschichte anfällig für Krisen und Skandale. Nicht weniger als sechs der insgesamt 17 Verteidigungsminister verließen vor Ablauf der jeweiligen Legislaturperiode ihren Posten.

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Franz Josef Strauß, Verteidigungsminister ab Oktober 1956, war mit dem Drang nach atomarer Bewaffnung der Bundeswehr und wegen der Serien-Abstürze des Starfighters für viele zum Feindbild geworden, vor allem für den „Spiegel“. Als Strauß 1962 ohne Absprache mit dem FDP-Justizministerkollegen Polizeiaktionen gegen das Nachrichtenmagazin vorantrieb, drohte die schwarz-gelbe Koalition zu zerbrechen. Das Kabinett wurde umgebildet – Strauß gehörte nicht mehr dazu.

Georg Leber, seit 1972 Verteidigungsminister, wurde eine Aktion des Militärischen Abschirmdienstes zum Verhängnis: Der MAD hörte, zunächst ohne dessen Wissen, Lebers Sekretärin ab, die – fälschlicherweise – der Zusammenarbeit mit der Stasi verdächtigt wurde. 1978 trat Leber zurück.

Gerhard Stoltenberg war nach einer Kabinettsumbildung 1989 vom Finanz- ins Verteidigungsressort gewechselt. Er schulterte im Kabinett von Helmut Kohl eine Mammutaufgabe: die Vereinigung von NVA und Bundeswehr. Doch nach drei Jahren war auch für Stoltenberg Schluss. Im März 1992 war bekannt geworden, dass 15 Bundeswehrpanzer an die Türkei geliefert worden waren – gegen die Entscheidung des Haushaltsausschusses.

Bei Rudolf Scharping, der für die SPD 1998 als Verteidigungsminister in die Regierung eingezogen war, häuften sich peinliche Affären, die kurz vor der Wahl dazu führten, dass ihn Kanzler Gerhard Schröder entließ. Neben dubiosen Geschäften mit PR-Berater Moritz Hunzinger und „Bunte“-Fotos aus einem Swimmingpool mit seiner Lebensgefährtin war Scharping auch die Schädigung des Ansehens der Bundeswehr vorgeworfen worden.

Franz Josef Jung (CDU) musste als Arbeitsminister im November 2009 zurücktreten. Er übernahm die Verantwortung für Fehler in seiner Zeit als Verteidigungsminister: Nur acht Wochen zuvor hatte er nach einem Luftangriff auf von Taliban entführte Tanklaster in der Nähe der afghanischen Stadt Kundus zu lange behauptet, von zivilen Opfern keine Kenntnis zu haben. Tatsächlich kamen bis zu 140 Zivilisten ums Leben. Jungs Nachfolger im Bendlerblock wurde Baron Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Der machte sich als Reformer einen Namen – mit der Abschaffung der Wehrpflicht zum Beispiel. Musste aber gehen, als ihm nachgewiesen wurde, dass seine Dissertation zu weiten Teilen ein Plagiat war.

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