Der Täter war unbewaffnet

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Update
Die Jagd nach den Marathon-Bombern : Boston: Blutspur zum Versteck
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Einsatzkräfte belagerten das Boot mehr als eine Stunde lang mit dem Ziel, den Verdächtigen lebendig in Gewahrsam zu nehmen – ein gefährliches Unterfangen, zumal sein älterer Bruder bei seinem Tod eine Sprengstoffweste samt Zünder getragen hatte. Lange war unklar, welche Waffen und Sprengkörper Dschochar Zarnajew bei sich haben könnte. Fernsehberichten zufolge feuerten Sicherheitskräfte zunächst mehrfach Tränengas und Blendgranaten auf das Boot, schließlich entfernte ein Roboter Teile der Folie, bis man Zugriff auf den 19-Jährigen hatte. Entgegen aller Befürchtungen hatte der mutmaßliche Täter wohl keine weiteren Waffen bei sich.

Nach dem erfolgreichen Zugriff ging alles weitere recht schnell. Dschochar Zarnajew wurde in einem Polizeiwagen weggebracht. Ein bereitstehender Krankenwagen wurde nicht eingesetzt, was zunächst darauf schließen ließ, dass er nicht schwer verletzt sein könne. Wenig später wurde sein Zustand allerdings als „kritisch“ beschrieben. Er hatte Schusswunden im Nacken und an den Beinen.

Die Bilder zu den Bombenanschlägen in Boston
Der weltbekannte Boston-Marathon wurde am Montag von einem Bombenanschlag erschüttert. Am gestrigen Abend sprach die Polizei noch von zwei Sprengsätzen. Medien berichteten über weitere, die aber nicht funktioniert hätten. Die Bostoner Polizei konnte diese Vermutung am Nachmittag zurückweisen. Bei den aufgefundenen Gegenständen habe es sich nicht um weitere Sprengkörper gehandelt.
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16.04.2013 16:04Der weltbekannte Boston-Marathon wurde am Montag von einem Bombenanschlag erschüttert. Am gestrigen Abend sprach die Polizei noch...

Bereits am Wochenende dürfte der mutmaßliche Terrorist einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Behörden wollen die Hintergrunde des Anschlags erhellen und klären, ob die Brüder allein handelten. Zumindest der ältere Tamerlan hatte sich in der Vergangenheit verdächtig gemacht und war 2011 auf Bitten der russischen Regierung vom FBI verhört worden.

Ein Onkel der beiden sagte, die Familie schäme sich, mit den Tätern verwandt zu sein. Er bezeichnete den jüngeren Bruder als „Loser“ und beteuerte, keinen Kontakt zu seinen Neffen gehabt zu haben. Eine Schwester der beiden bekam Polizeischutz in ihrer Wohnung in West New York im Bundesstaat New Jersey. Polizeilichen Ermittlungen zufolge hatte auch sie seit Jahren keinen Kontakt zu ihren Brüdern. Ein kurzes Statement gab es am Freitag von der Frau des getöteten Tamerlan Zarnajew, der auch ein Kind hinterlässt. „Wir haben wohl den wahren Tamerlan nie gekannt“, sagte die 23-jährige Katherine Russell, die den Attentäter während ihrer College-Zeit in Boston kennenlernte.

Präsident Barack Obama dankte den Spezialkräften in einer Fernsehansprache für ihre Arbeit und den Bürgern für ihre Mithilfe bei der Fahndung. Der Versuch, Amerika zu terrorisieren, sei „gescheitert“. Denn „die Bürger von Boston lassen sich nicht einschüchtern. Amerika lässt sich nicht terrorisieren.“ Es gebe freilich noch viele offene Fragen, fügte Obama hinzu. „Warum greifen junge Männer, die hier aufgewachsen sind und hier studiert haben, zu solcher Gewalt?“ Es gehöre zu Amerikas Stärken, offen für Zuwanderer zu sein und Neuankömmlinge willkommen zu heißen.