Politik : Die „rote Tarja“ vor dem zweiten Sieg

Finnlands alte wird wohl auch die neue Präsidentin

Helmut Steuer[Stockholm]

Stockholm - Die Frage ist nicht ob, sondern wann: Wird Finnlands Präsidentin Tarja Halonen bereits am Sonntag für eine zweite, sechsjährige Amtszeit gewählt? Oder muss sich die 62-Jährige einem zweiten Wahlgang am 29. Januar stellen? So viel scheint nach allen Umfragen der vergangenen Wochen sicher: Finnlands künftige Präsidentin wird wieder Tarja Halonen heißen.

Der Vorsprung, der wegen ihrer rot gefärbten Haare mit dem Beinamen „rote Tarja“ versehenen Sozialdemokratin vor ihren Herausforderern Sauli Niinistö und Matti Vanhanen sieht seit Monaten sicher aus. In der jüngsten Meinungsumfrage erhielt sie zwar nur noch 51 Prozent, doch diese Mehrheit würde reichen. Halonen kommt an bei den Finnen. Und: Angetrieben durch die Exporterfolge der Wirtschaftslokomotive Nokia gibt es wenig Grund zu klagen: Den meisten Finnen geht es gut.

Halonen gibt sich als Landesmutter, will den Wohlfahrtsstaat nach nordischem Modell erhalten und legt sich auch schon einmal mit der Wirtschaft an, wenn es um soziale Absicherung und Verantwortung geht. Kein Wunder, dass die ausgebildete Juristin bei den finnischen Managern nicht hoch im Kurs steht. „Eine Präsidentin für das ganze Volk“ lautet ihr Wahlmotto und ist gleichzeitig eine versteckte Attacke gegen Herausforderer Sauli Niinistö, früherer Finanzminister und Vorsitzender der finnischen Konservativen, heute stellvertretender Chef der Europäischen Investitionsbank. Der hatte versucht, mit seinem Slogan „Präsident der arbeitenden Bevölkerung“ am Image von Halonen zu kratzen. Mit mäßigem Erfolg: Er kommt auf 21 Prozent; drei Prozentpunkte mehr als der amtierende Ministerpräsident Matti Vanhanen auf sich vereinigen kann. Der wenig charismatische Vorsitzende der bäuerlichen Zentrumspartei scheint chancenlos zu sein.

Das liegt auch an dem themenarmen Wahlkampf, von dem vor allem charismatische Kandidaten wie Halonen und Niinistö profitieren. Das enorme Interesse der Präsidentschaftswahlen vor sechs Jahren wird sich nicht wiederholen. Damals war die Macht des Präsidenten gerade durch eine Verfassungsänderung stark beschnitten worden, gleichzeitig drehte sich alles um Halonen als erster Frau, die realistische Chancen auf das höchste Amt im Staate hatte. Mittlerweile hat Halonen auch die überzeugt, die ihr die Fähigkeiten absprachen, die ganze Bevölkerung zu repräsentieren. Sie nutzte die eingeschränkte Macht des Präsidentenamtes geschickt voll aus und ließ sich das Wort auch bei wichtigen außen- und sicherheitspolitischen Fragen nicht verbieten.

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