Die Ukraine und Russland : Appell für Freilassung der ukrainischen Pilotin Sawtschenko

Intellektuelle aus West- und Osteuropa fordern die Staats- und Regierungschefs der EU auf, Russland zur Freilassung der ukrainischen Pilotin Nadja Sawtschenko zu bewegen.

Nadeschda Sawtschenko vor Gericht: Hungerstreik als letztes Mittel.
Nadeschda Sawtschenko vor Gericht: Hungerstreik als letztes Mittel.Foto: dpa

In einem offenen Brief haben Intellektuelle aus West- und Osteuropa die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union aufgefordert, sich für die sofortige Freilassung einer in Russland inhaftierten ukrainischen Pilotin einzusetzen. Die 34-jährige Nadja Sawtschenko befindet sich seit Donnerstag im Hungerstreik. Die Kampfpilotin muss sich in Russland in einem umstrittenen Mordprozess verantworten, die Anklage fordert 23 Jahre Haft. Zu den Unterzeichnern des Appells gehören die Literatur-Nobelpreisträgerinnen Swetlana Alexijewitsch (Belarus) und Elfriede Jelinek (Österreich), der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy und die polnische Regisseurin Agnieszka Holland.

"Die russischen Machthaber missachten Bürgerrechte, internationales Recht und ihr eigenes Grundgesetz", heißt es in dem Brief. Alle bisherigen Bemühungen der internationalen Öffentlichkeit hätten sich als wirkungslos erwiesen. "Die Rettung Nadija Sawtschenkos ist ein Test für die Effizienz der internationalen Diplomatie und dafür, ob sie den europäischen Werten treu bleibt." Insgesamt haben den offenen Brief nach Angaben der Organisatoren bereits mehrere tausend Menschen unterzeichnet.

Pilotin verweigert Nahrung und Wasser

Die Pilotin verweigert nicht nur Nahrung, sondern auch Wasser, so dass der Hungerstreik sehr schnell lebensbedrohlich werden kann. Damit protestiert sie gegen eine Verschiebung der Urteilsverkündung in dem Verfahren. Das Urteil wird nun für diesen Mittwoch erwartet. "Russland wird mich so oder so in die Ukraine zurückbringen müssen, tot oder lebendig. Aber es wird mich zurückbringen", heißt es in einer Erklärung Sawtschenkos, die eigentlich ihr Schlusswort vor Gericht sein sollte. Den Prozess nannte sie eine "Farce von Kreml-Marionetten".

Sawtschenko war im Juni 2014 von Separatisten in der Ostukraine gefangengenommen und dann nach Russland gebracht worden. Die Ukraine spricht von einer Entführung. Russland wirft der Pilotin Beihilfe zum Mord an zwei russischen Journalisten vor. Sie habe die Koordinaten von deren Aufenthaltsort an die ukrainische Armee weitergegeben, daraufhin seien beide bei einem Mörserangriff getötet worden. Sawtschenkos Verteidigung erklärte, an der Tötung der Journalisten sei sie nicht beteiligt gewesen. Die Ukraine spricht von einem Schauprozess und fordert die Freilassung der Pilotin.

Aus Protest gegen ihre Inhaftierung war die junge Frau schon im vergangenen Jahr 80 Tage lang in einen Hungerstreik getreten, musste diesen aber wegen schwerer Gesundheitsprobleme im März abbrechen. (Tsp)

Der offene Brief im Wortlaut:  

"Wir wenden uns an Sie mit der Aufforderung, entschlossene Schritte zur sofortigen und bedingungslosen Freilassung von Nadija Sawtschenko zu unternehmen, der 34-jährigen ukrainischen Bürgerin, die entführt wurde und sich seit über 20 Monaten in der Russischen Föderation in Haft befindet. Die russischen Machthaber missachten Bürgerrechte, internationales Recht und ihr eigenes Grundgesetz. Das spricht der internationalen Öffentlichkeit und den Minsker Abkommen Hohn.

Alle bisherigen Bemühungen der internationalen Öffentlichkeit haben sich als wirkungslos erwiesen. Aus Protest gegen die Willkür der russischen Gerichtsbarkeit ist Nadija Sawtschenko in einen trockenen Hungersstreik getreten. Die Rettung Nadija Sawtschenkos ist ein Test für die Effizienz der internationalen Diplomatie und dafür, ob sie den europäischen Werten treu bleibt."

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