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Dietmar Bartsch und "Lafodödel" : Linke bestreitet Spionage-Vorwürfe

Der künftige Fraktionschef der Linkspartei Dietmar Bartsch hat seine Parteikollegen aus dem Vorstand kategorisiert. Zu Ausforschungen sei es aber nicht gekommen, heißt es.

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Dietmar Bartsch, designierter Fraktionschef der Linken, ließ den Parteivorstand ausforschen.
Dietmar Bartsch, designierter Fraktionschef der Linken, ließ den Parteivorstand ausforschen.Foto: dpa

"Zuverlässig", "unabhängig" oder "Lafodödel"? Der designierte Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, hat nach einem Bericht der "Welt" den 44-köpfigen Parteivorstand der Linken ausforschen und in Freund-Feind-Kategorien einteilen lassen. Die Zeitung berief sich in ihrem Bericht am Dienstag auf einen internen E-Mail-Austausch. In Kreisen der Fraktion hieß es, es habe keine Spionage oder Ausforschungen gegeben. Es sei lediglich um eine Liste gegangen, in der die Parteivorstandsmitglieder den jeweiligen Strömungen zugeordnet worden seien. Nach dem Parteitag in Göttingen im Sommer 2012 habe der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi seinen Stellvertreter Dietmar Bartsch gebeten, einen Überblick über den neu gewählten Parteivorstand zu erstellen. "Bartsch hat das nicht in Auftrag gegeben. Das ist Quatsch", hieß es weiter. In Gysis Umfeld hieß es, er habe allerdings keine detaillierte Namensliste angefordert, sondern nur wissen wollen, wie die Mehrheiten in dem Gremium seien. Über die Form sei er nicht begeistert gewesen.

Auf dem Parteitag war Bartsch bei der Wahl zum Parteichef seinem Konkurrenten Bernd Riexinger unterlegen. Der Gewerkschafter aus Baden-Württemberg führt die Linke seitdem gemeinsam mit Katja Kipping. Vor dem Parteitag hatte es erbitterte interne Grabenkämpfe gegeben, das Klima in der Partei war von großen Misstrauen geprägt: So hatte Ex-Parteichef Oskar Lafontaine seine Bereitschaft zur Rückkehr an die Parteispitze davon abhängig gemacht, dass Bartsch seine Kandidatur zurückziehe. Zwei Jahre zuvor hatte Lafontaine erzwungen, dass Bartsch sich als Bundesgeschäftsführer der Partei zurückziehen musste. Beim Parteitag in Göttingen kam es dann zum offenen Streit zwischen Gysi und Lafontaine. Angesichts der heftigen Flügelkämpfe sprach Gysi von "Hass" und "Denunziation" in Partei und Fraktion. Die Kritik aus den westdeutschen Landesverbänden erinnere ihn "an die Arroganz der alten Bundesländer bei der Wiedervereinigung". Wenn einer neuen Parteiführung die Einigung nicht gelinge, bleibe nur die Spaltung übrig, ermahnte Gysi seine Genossen.

Dem "Welt"-Bericht zufolge teilte Bartsch die Vorstandsmitglieder in Kategorien ein. Dafür gab es Kürzel, mit denen jeder Vorstand markiert wurde: "Z" für zuverlässig, "U" für unabhängig und "L" für links oder "Lafodödel" - gemeint waren damit die Anhänger von Lafontaine. Dazu gehört auch dessen Ehefrau Wagenknecht. Auch Parteichef Bernd Riexinger wurde das Etikett "Lafodödel" angeheftet. Riexinger gehörte als früherer Landesvorsitzender in Baden-Württemberg zu denjenigen, die im Streit zwischen Lafontaine und Bartsch in Brandbriefen die Loyalität des früheren Bundesgeschäftsführers Bartsch angezweifelt hatten. Bartsch selbst sagte zu dem Bericht: "Das kommentiert sich von selbst."

Der frühere Parteivize Heinz Bierbaum, der heute für die Linke im saarländischen Landtag sitzt und als Vertrauter Lafontaines gilt, kritisierte hingegen das Vorgehen: "Das sind Methoden, die wir keineswegs akzeptieren können. So etwas macht man nicht", sagte er der "Welt".


Bartsch und die bisherige Vizefraktionschefin Sahra Wagenknecht sollen in zwei Wochen an die Fraktionsspitze gewählt werden - und damit die Nachfolge von Gregor Gysi antreten. Die Wahl ist für den 13. Oktober vorgesehen.


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