Politik : Diktat für den Wachmann

Neue Dokumente belasten PDS-Vizechef Dehm

Matthias Meisner

Diether Dehm will am liebsten gar nichts mehr sagen – doch der PDS-Bundesvize gerät immer weiter in die Bredouille. Neue Dokumente erhärten jetzt den Verdacht, dass Dehm gleich nach dem PDS-Bundesparteitag vor zwei Wochen in Gera angewiesen hat, den früheren Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch zu überwachen. Brisanter noch: Dehm tat offenbar eine ganze Menge, um den heiklen Vorgang zu verschleiern.

In einem vierseitigen Bericht an die PDS- Vorsitzende Gabi Zimmer belastet Wachmann Andreas Opelt jetzt Dehm schwer. Opelt hatte die „außerordentliche Anweisung durch Gen. Dehm“, wonach Bartsch beim Verlassen der Parteizentrale keine Unterlagen und Dokumente mitnehmen dürfe, im Wachbuch des Karl-Liebknecht-Hauses notiert. Doch vier Tage danach ermunterte Dehm den Wachmann Opelt des privaten Sicherheitsdienstes Sido Security, seine Anweisung als mögliches Missverständnis darzustellen.

Diesen Brief „diktierte mir zum überwiegenden Teil D. Dehm“, berichtet Opelt nun an Zimmer. Der Wachmann hat sich inzwischen auf Vorschlag von Bartsch einen Rechtsanwalt als Berater genommen – Gregor Gysi. Dem liegt zudem der Bericht einer Opelt-Mitarbeiterin vor, die am Abend nach dem Geraer Parteitag Dienst hatte. Sie bestätigt: „Ich bekam den Auftrag von Herrn Dehm, darauf zu achten, dass Herr Bartsch keine Unterlagen mitnimmt.“

Wie der PDS-Vorstand letztendlich mit der Affäre umgeht, bleibt offen. Muss Dehm nun seinen Posten als Partei-Vize räumen, wie es einige PDS-Europaabgeordnete, darunter André Brie und Sylvia Yvonne Kaufmann, nahe legten?

Dehm wie auch PDS-Sprecher Hendrik Thalheim verweisen darauf, dass der Vorstand die neue Vize-Vorsitzende der Partei, Heidi Lüth, mit einer Untersuchung beauftragt hat, deren Ergebnisse bis zu einer Klausur am 9. und 10. November vorliegen sollen. „Gerade aus unserer Geschichte ist es für die PDS unvorstellbar, mit Methoden zu arbeiten, die nichts mit dem geistigen und kulturellen Anspruch einer demokratischen und sozialistischen Partei zu tun haben“, hatte der Vorstand beschlossen, zugleich aber Dehms Dementi „zur Kenntnis“ genommen. Im Zweifel könnte die Führung zu Gunsten des Angeklagten entscheiden – in diesem Fall Dehm.

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