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Diskussion um Gedicht : Grass legt nach und warnt vor "Drittem Weltkrieg"

Günter Grass sieht sich an den Pranger gestellt und hält an seiner Kritik fest. Jetzt warnt er vor einem "Dritten Weltkrieg", der drohe, falls Israel Iran angreife. Aus dem Iran gibt es noch keine offizielle Stellungnahme.

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13.04.2015 12:04Geschichtenerzähler, Mahner und politischer Provokateur: Günter Grass hat in Deutschland viele Rollen ausgefüllt. Seine Romane...

Günter Grass hat seine Kritik an Israels Atomwaffenarsenal bekräftigt und vor den Gefahren eines militärischen Erstschlags gegen Iran gewarnt. "Sollte Israel - vermutlich mit sogenannten normalen, konventionellen Bomben und Sprengköpfen - Irans Atomanlagen angreifen, könnte das zum Dritten Weltkrieg führen", sagte der Literaturnobelpreisträger am Donnerstag in seinem Wohnort Behlendorf bei Lübeck in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dabei verteidigte er ausdrücklich sein umstrittenes Israel-kritischen Gedicht „Was gesagt werden muss“ und warf einem Teil seiner Kritiker Hass vor.
Der 84-jährige Schriftsteller verwies auf die explosive Lage im Nahen Osten, die sich bei einem Präventivschlag Israels zu einem Flächenbrand ausweiten könne. Präventivschläge seien nicht vertretbar. Dies habe sich beim letzten Irakkrieg gezeigt, bei dem unter dem nachweislich falschen Vorwurf, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen, der Krieg begonnen worden sei. Bei Iran sei bisher eine Atombombe oder ein weitreichendes Raketenträgersystem nicht nachgewiesen worden. Mit seinem politischen Gedicht habe er dazu aufrufen wollen, dass sowohl Israel als auch Iran ihre Atomanlagen internationaler Kontrolle unterwerfen, sagte Grass. Als Fehler bezeichnete es der Autor, dass in seinem Gedicht von Israel und nicht konkret von Israels Regierung die Rede sei. Er hege große Sympathien für das Land und wünsche, dass es auch in Zukunft Bestand habe. Er selber würde eine Föderation zwischen palästinensischen Gebieten und Israel als politische Vision bevorzugen, aber dies sei zur heutigen Zeit nicht vorstellbar.

Der Iran hat sich bislang nicht zu dem Israel-kritischen Gedicht „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass geäußert. Zwar wurde in der Presse von dem Text und den internationalen Reaktionen darauf berichtet, aber eine offizielle Stellungnahme dazu gab bis zum Freitag nicht. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA lobte Grass wegen "eines Tabubruchs in einem Land, wo die Politik und Taten des zionistischen Regimes (Anm.: Israel) ohne Wenn und Aber unterstützt werden". IRNA verurteilte die israelischen und westlichen Medien wegen deren "brutaler und zum Teil beleidigender Kritik" an Grass, nur weil dieser offen gesagt habe, dass nicht der Iran, sondern Israel die eigentliche Gefahr für den Weltfrieden sei.

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