Politik : Drahtzieher des 11. September gefasst

Verhaftung in Pakistan: Ramzi Binalshibh war Mitglied der Hamburger Terrorzelle / Schily will Auslieferung

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Karatschi/Berlin. Pakistanische Sicherheitskräfte haben eine der Schlüsselfiguren des 11. September festgenommen. Wie erst am Samstag bekannt wurde, konnte Ramzi Binalshibh am Jahrestag des Terrorangriffs auf die USA in Karatschi nach einer Schießerei überwältigt werden. Der weltweit gesuchte Al-Qaida-Mann hatte in Hamburg die Gruppe um den Terrorpiloten Mohammed Atta unterstützt. Kurz nach den Anschlägen auf New York und Washington leitete Generalbundesanwalt Kay Nehm ein Verfahren gegen ihn ein. Nach Angaben von Innenminister Otto Schily wird Deutschland die Auslieferung des Terroristen beantragen.

Von Frank Jansen

Der entscheidende Hinweis auf das Versteck Binalshibhs in Pakistan kam von der amerikanischen Bundespolizei FBI. In einem Appartmentgebäude in Karatschi hatte sich der Jemenit zusammen mit elf Komplizen verschanzt. Erst nach einem dreistündigen Schusswechsel, bei dem zwei Terroristen starben, gelang den pakistanischen Sicherheitskräften der Zugriff. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf lobte die Beamten für die „gelungene Aktion“.

Der Jemenit Binalshibh hatte in Hamburg mit Mohammed Atta zusammengewohnt. Binalshibh unterstützte die Vorbereitung der Terroraktionen gegen die USA, unter anderem durch Hilfe bei finanziellen Transaktionen. Ursprünglich wollte der heute 30 Jahre alte Terrorist auch an den Selbstmordflügen teilnehmen, er bekam aber kein Visum für die Einreise in die Vereinigten Staaten.

In einem Video, das der arabische TV-Sender Al Dschasira vergangenen Donnerstag ausstrahlte, bekannte Binalshibh, Al Qaida sei für die Anschläge des 11. September und weitere Attentate verantwortlich. Der Jemenit erwähnte die Explosionen in den amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania 1998 mit mehr als 250 Toten und den Angriff auf das amerikanische Kriegsschiff „Cole“ im Oktober 2000 im Hafen von Aden. Dabei kamen 17 Amerikaner ums Leben.

Binalshibh soll sich an einem geheimen Ort in US-Gewahrsam befinden. US-Justizminister John Ashcroft, der in Kopenhagen an einer Tagung der EU-Innen- und Justizminister teilnahm, antwortete auf den deutschen Wunsch nach Auslieferung Binalshibhs, die amerikanische Regierung werde ihr weiteres Vorgehen mit der Bundesrepublik abstimmen. Schily erklärte, sollte es „konkurrierende Interessen“ mit anderen Ländern geben, „dann müssen wir uns darüber verständigen“.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte bereits am 8. Oktober 2001 eine Fahndung mit Personenbeschreibung und Foto nach Binalshibh herausgegeben. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) erließ damals Haftbefehl gegen ihn wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und anderer schwerer Straftaten. Die deutschen Sicherheitsbehörden prüfen, ob Binalshibh auch an dem Anschlag auf die Synagoge „El Ghriba“ auf der tunesischen Ferieninsel Djerba im April dieses Jahres beteiligt war. Eine Telefonnummer Binalshibhs fand sich bei der Durchsuchung der Wohnung eines in Duisburg lebenden Marokkaners. Er ist mit einem deutschen Islamisten bekannt, den der Attentäter von Djerba kurz vor der Explosion anrief.

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