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Drei Festnahmen in Franken : Womöglich rechtsextremer Anschlag auf Flüchtlinge vereitelt

Bei einer Razzia gegen Rechtsextreme sind in Franken 13 Personen festgenommen worden. Sie hatten womöglich einen Anschlag geplant.

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Die Polizei führte mit Unterstützung von Spezialeinheiten in verschiedenen Wohnungen in Bamberg Razzien durch.
Die Polizei führte mit Unterstützung von Spezialeinheiten in verschiedenen Wohnungen in Bamberg Razzien durch.Foto: dpa

Die Gefahr rechter Anschläge auf Flüchtlinge wächst  offenbar weiter. Die bayerische Polizei nahm am Mittwoch bei einer Razzia in Franken elf Männer und zwei Frauen im Alter von 21 bis 36 Jahren fest, die Mitglieder einer rechtsextremen Gruppierung sind und einen Angriff mit Sprengstoff auf eine Unterkunft von Flüchtlingen geplant haben sollen. Etwa 90 Beamte durchsuchten zwölf Gebäude in Bamberg und weiteren Orten. Es seien eine Schusswaffe und weitere „gefährliche Gegenstände“ sichergestellt worden, teilte das Landesinnenministerium am Donnerstag mit.

Böller in Tschechien bestellt

Die Gruppe Rechtsextremer wollte wohl am 31. Oktober einen Anschlag auf das in Bamberg liegende Abschiebezentrum für Balkanflüchtlinge verüben, wie der Bamberger Polizeivizepräsident Werner Mikulasch am Donnerstag sagte. Die Gruppe sei seit Längerem beobachtet worden und „von Monat zu Monat radikaler und gewaltbereiter geworden“, sagte Mikulasch.

Nach Informationen des Tagesspiegels hatte eine Gruppe Neonazis in Tschechien eine größere Menge hochexplosiver Böller bestellt. Die Polizei fing das Paket jedoch ab. Durch die Ermittlungen sei womöglich eine Straftat vereitelt worden, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag in Bamberg beim Besuch des Abschiebezentrums.

Gegen die Täter bestehe unter anderem der Verdacht, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwochabend bekanntgegeben. Für den Vorwurf terroristischer Aktivitäten reichen die Indizien offenbar nicht. Man habe mit den Böllern die Flüchtlinge nur erschrecken wollen, soll einer der Festgenommen im Verhör gesagt haben. Angeblich sollten weder Asylbewerber getroffen noch eine Unterkunft beschädigt werden. Die Festgenommenen seien Mitglieder der Partei „Die Rechte“, hieß es in Sicherheitskreisen.

Planvoll und zielgerichtet

Die 2012 gegründete Kleinpartei gilt als besonders aggressiv und hat zahlreiche Ex-Mitglieder verbotener „Kameradschaften“ aufgenommen. In Bayern ist offenbar Bamberg in besonderem Maße von Aktivitäten der Partei und ihres Umfelds betroffen. Es handele sich um eine „Mischszene“ aus Neonazis, Skinheads und Hooligans, heißt es in Sicherheitskreisen. Im März sei ein lokaler Verband der Partei gegründet worden. Im Juni kam es dann zu einem beängstigenden Vorfall. Vermummte Neonazis seien vor einer Gaststätte aufgekreuzt, in dem eine Veranstaltung zum Thema Rechtsextremismus stattfand, berichten Sicherheitsexperten. Die Angreifer bedrohten die Teilnehmer, diese schlossen sich aus Angst in dem Lokal ein. Die Rechtsextremisten „haben planvoll und zielgerichtet versucht den politischen Gegner einzuschüchtern“, sagte eine Experte und sprach von einer neuen Qualität der Bedrohung.


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