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Dreikönigstreffen der FDP : Die Kleinmacher

06.01.2013 18:37 Uhrvon
Nur am Rande. Als die FDP-Führung sich im Stuttgarter Staatstheater zum Schlussbild gruppiert, bilden die alten Herren Brüderle und Genscher das Zentrum.Bild vergrößern
Nur am Rande. Als die FDP-Führung sich im Stuttgarter Staatstheater zum Schlussbild gruppiert, bilden die alten Herren Brüderle und Genscher das Zentrum. - Foto: Reuters

Da haben sich die Liberalen eine tückische Tradition geschaffen: Vom Dreikönigstreffen der FDP soll ein Aufbruchssignal für das politische Jahr ausgehen. Eigentlich harmlos. Aber wie Westerwelle vor zwei Jahren, wird Philipp Rösler vor Augen geführt, dass es einsam um ihn wird.

Zum Schluss steht Philipp Rösler am Rand. Als müsste es so sein und auch, als habe er sich diesen Platz ganz bewusst gesucht. Niemand hat ihn zur Seite geschoben, als das Dreikönigstreffen an diesem Sonntag beendet ist und die FDP-Führung geschlossen auf der Bühne des Staatstheaters ins Stuttgart zu einem letzten Gruppenfoto zusammentritt. Rösler, der Parteivorsitzende hatte zuvor beinahe eine Stunde lang gesprochen. Die Rede seines Lebens sollte er halten. Das hatten alle von ihm erwartet. Schließlich steht sein Job auf dem Spiel.

Aber Rösler hat diese Rede nicht gehalten. Viel von Freiheit hat er gesprochen, es war viel liberale Theorie. Die Leute im Theater sahen nicht begeistert aus.

Und dann, zum Ende, sucht er für sich einen Platz an der Seite. Bei denen, die nicht mehr im Zentrum stehen. Und er spendet lächelnd jenen Applaus, um die sich an diesem Sonntag in Stuttgart plötzlich alle scharen: zwei alten Herren. Alt-FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher und Rainer Brüderle, 67 Jahre alt und – spätestens seit diesem Tag – die Hoffnung seiner Partei.

Es ist gut ein Jahr her, da hat Philipp Rösler die Sache mit dem Bambus erzählt. Er war gerade ein paar Monate FDP-Vorsitzender und zum ersten Mal umringt von Besserwissern, die ihm mit klugen Worten mal dies und mal jenes rieten und manchen Spott mit ihm trieben. Wie er dieses Herumnörgeln an ihm, das Tuscheln hinter seinem Rücken und die kleinen giftigen Pfeile aushalte, die seine Parteifreunde Woche für Woche auf ihn abschießen würden, wurde Rösler gefragt. Und da hat er eben den Bambus erwähnt, und es klang ein bisschen wie eine Drohung an die Anderen und auch ein wenig wie Selbstsuggestion.

„Sehen Sie mich doch mal an“, sagte der aus Vietnam stammende Rösler mit verschmitztem Gesicht. Da, wo er geboren sei, da wiege sich der Bambus selbst in ganz stürmischen Zeiten hin und her. Um so einen Halm brechen zu können, sagte Rösler mit frohlockender Miene, da muss schon sehr viel passieren.

Vor diesem Sonntag in Stuttgart ist schon sehr viel passiert. Man könnte sagen, beinahe jeder, der in der FDP Rang und Namen hat, biegt und sägt seit Tagen nach Kräften an dem Bambusstamm namens Rösler. Zwei Jahre werden es im Mai, dass dieselben Leute Guido Westerwelle von der Spitze ihrer Partei verdrängt und beim Parteitag in Rostock ihn, den jungen Rösler wie einen Heilsbringer zum Nachfolger ernannt haben. Doch Rösler konnte seinen Platz da oben an der Parteispitze nicht finden, von Anfang an nicht. Er hatte keine zündenden Ideen, er machte Fehler, er konnte sich nicht durchsetzen. Das Heil blieb aus, noch mehr Wähler wandten sich von der FDP ab.

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