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Dresden : Asylbewerber wurde wohl von Mitbewohner getötet

Am Tag einer Pegida-Demonstration wurde in Dresden ein Asylbewerber getötet. Nun wurde Haftbefehl gegen seinen Mitbewohner erlassen. Ein Streit über Haushaltsführung soll eskaliert sein. Khaled soll am Samstag in Berlin beigesetzt werden.

Mahnwache an der sächsischen Landesvertretung in Berlin
Mahnwache an der sächsischen Landesvertretung in BerlinFoto: Paul Zinken/dpa

Der gewaltsame Tod des Asylbewerbers Khaled Idris Bahray in Dresden ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft aufgeklärt. Gegen einen Mitbewohner und Landsmann des 20-Jährigen aus Eritrea sei Haftbefehl wegen Totschlags erlassen worden, sagte Behördensprecher Jan Hille am Donnerstag. Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, weil am gleichen Tag eine der islamkritischen Pegida-Demonstrationen abgehalten wurde. Dort sind immer wieder auch rechtsradikale Parolen zu hören.

Der 26-Jährige stehe in dringendem Verdacht, Khaled Idris Bahray am Montagabend vergangener Woche im Innenhof des Wohnhauses durch mehrere Messerstiche in den Hals tödlich verletzt zu haben. Als Motiv habe er in der Vernehmung angegeben, dass ein Streit über die Haushaltsführung eskaliert sei.

Gegen den 26-Jährigen, der wie das Opfer aus Eritrea stammt, wurde durch das Amtsgericht Dresden Haftbefehl wegen Totschlags erlassen. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft. Zu der Festnahme habe vor allem die Auswertung von DNA-Spuren an der mutmaßlichen Tatwaffe geführt, erklärte die Justizbehörde.

Khaled Idris Bahray soll an diesem Samstag um 12 Uhr in Berlin auf dem Friedhof Gatow beigesetzt werden. In Dresden ist nach Angaben von Initiativen keine islamische Bestattung möglich Im Internet wird zu Spenden für die anfallenden Kosten aufgerufen.

Ermittlungspannen bei der Dresdner Polizei

Am Wochenende hatten in mehren deutschen Städten Tausende Menschen des Getöteten aus Eritrea gedacht. Allein in Dresden kamen am Samstagabend rund 2700 Teilnehmer zu einem Gedenkmarsch zusammen, wie die Polizei mitteilte. Auch in Berlin, Potsdam und Leipzig gab es am Samstag und am Sonntag mehrere Mahnwachen und Gedenkveranstaltungen für den Mann aus Eritrea.

Flüchtling tot aufgefunden. Khalid I.
Khalid I. wurde tot aufgefunden. Sein Mitbewohner soll ihn umgebracht haben.Foto: Holm Helis/Dresdner Morgenpost

Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltungen äußerten die Befürchtung, dass der gewaltsame Tod des Asylbewerbers rassistisch motiviert gewesen sei. Zudem wurde die islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bewegung kritisiert, vor der sich Flüchtlinge und Migranten insbesondere in Dresden bedroht fühlten.

Der 20-jährige Khaled Idris Bahray war am vergangenen Dienstag in Dresden tot aufgefunden worden. Eine Obduktion ergab, dass er durch mehrere Messerstiche starb. Zunächst hatte es geheißen, es gebe bei dem Toten keine Anhaltspunkte für eine Fremdeinwirkung. Danach hatte die Polizei Fehler eingeräumt. Zudem wurde bekannt, dass zwei Hakenkreuze an die Tür der Wohngemeinschaft des Opfers geschmiert worden waren.

Nach den Ermittlungspannen war die Dresdner Polizei unter heftige Kritik geraten. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, hat wegen der Pannen Strafanzeige gestellt.

Hakenkreuze im Hauseingang

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat daraufhin die Berliner Staatsanwaltschaft gebeten, gegen den Grünen-Politiker Volker Beck wegen falscher Verdächtigung, übler Nachrede und Beleidigung zu ermitteln.
Beck sprach von Ermittlungspannen, die „rückhaltlos aufgeklärt“ werden müssten. Ihm fehle „jedes Verständnis für das nachlässige Vorgehen der Ermittlungsbehörden“.

Der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz nannte die Äußerungen des Grünen-Bundestagsabgeordneten „unverschämt, unangemessen und eine Beleidigung für jeden Ermittler“. Sie unterstellten, dass Polizei und Staatsanwaltschaft wissentlich gehandelt haben, sagte Schulz in Berlin. Becks Anzeige offenbare sein gefährliches Halbwissen über polizeiliche Ermittlungsarbeit im Allgemeinen und über diesen Fall im Besonderen. Der Grünen-Politiker agiere als geistiger Brandstifter und habe seiner Partei und der Politik insgesamt einen Bärendienst geleistet. „Herr Beck wäre gut beraten, wenn er sich umgehend für seine Kurzschlusshandlung entschuldigen und die weiteren Ermittlungen abwarten würde.“ Er habe vollstes Vertrauen in die Fähigkeiten der Dresdner Polizei und der Staatsanwaltschaft, so Schulz.

Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer verlangte am Donnerstag umgehend eine Entschuldigung von Beck, sollte sich der Sachstand bewahrheiten. „Dieser Vorgang und die Spontan-Demonstrationen zeigen, welche Stereotype und Vorurteile es gegenüber Ostdeutschen gibt“, meinte Kretschmer. Beck verwies auf die Ermittlungsfehler, die die Staatsanwaltschaft auch eingeräumt habe. „Die Frage, warum die Spurensicherung erst über 24 Stunden nach der Tat begann, bleibt“, sagte Beck.

Am Dienstag vergangener Woche war der 20-jährige Asylbewerber aus Eritrea morgens tot im Innenhof einer Plattenbausiedlung in der Nähe seiner Wohnung in Dresden aufgefunden worden. Trotz mehrerer Stichverletzungen gingen Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst nicht von einem Tötungsdelikt aus. Das hatte in der Öffentlichkeit zu viel Kritik geführt. Laut dem BDK konnten die Stichverletzungen aufgrund des Zustandes des Opfers auch vom untersuchenden Notarzt vor Ort nicht festgestellt werden. Erst bei einer von der Kriminalpolizei angeregten Obduktion seien die Verletzungen bemerkt worden

Der getötete Asylbewerber hatte seit September vergangenen Jahres in Dresden gewohnt. Er lebte in einer Wohnung gemeinsam mit sieben anderen Asylbewerbern aus Eritrea. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen, die die jungen Afrikaner betreut, hatte vergangene Woche von Hakenkreuzschmierereien im Hausaufgang zur Wohnung der Asylbewerber berichtet. Auch soll Anfang Januar gegen die Tür der Vier-Raum-Wohnung getreten worden sein, in der Khaled I. lebte. Daher wurde auch über einen möglichen rassistischen Hintergrund der Tat spekuliert. (Tsp/dpa/epd/AFP)

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