Dresden : Warum musste Flüchtling Khaled I. sterben?

Der rätselhafte Tod des 20-jährigen Flüchtlings Khaled I. aus Eritrea in Dresden wühlt die Atmosphäre in der Stadt auf. Mehrere hundert Flüchtlinge und Deutsche trafen sich zu einer Kundgebung. Als skandalös erscheint immer mehr das Verhalten untergeordneter Polizisten.

Anneke Müller
Flüchtling tot aufgefunden. Khalid I.
Flüchtling tot aufgefunden. Khalid I.Foto: Holm Helis/Dresdner Morgenpost

Der Tod des Asylbewerbers Khaled I. in einer Plattenbausiedlung in Dresden heizt die Atmosphäre in Dresden auf. Viele Dresdener fragen sich: Warum musste der 20-jährige Flüchtling aus Eritrea sterben? Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Mittwochnachmittag zu einer Mahnwache am Jorge-Gomondai-Platz. Daraus bildete sich eine Demonstration, die vor das Albertinum zog, dem Ort des Neujahrsempfangs von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) sprach mit den etwa 300 Demonstranten und drückte ihnen ihr Mitgefühl aus. Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) bot ihnen ein Gespräch an. „Ich möchte, dass Sie wieder angstfrei in Sachsen leben können.“ Aus dem Landtag kamen Forderungen nach umfassender Aufklärung des Falls. Dabei müsse auch ein mögliches rassistisches Motiv geprüft werden, sagte die Abgeordnete Juliane Nagel (Linke). Albrecht Pallas (SPD) mahnte zur Besonnenheit: „Spekulationen - in welche Richtung auch immer - helfen nicht weiter.“ Valentin Lippmann (Grüne) warnte „in der aufgeheizten Atmosphäre“ vor Vorverurteilungen: „Ergebnisse der Ermittlungen müssen abgewartet werden.“

Viele Flüchtlinge auf der Demonstration kritisierten, dass sie seit Monaten immer öfter Opfer von Anfeindungen und Angriffen würden. „Wir haben Angst“ und „helft uns“, sagten sie. Dresden sei schön, doch die meisten würden die Stadt nun gerne verlassen. Sie seien erst 2014 der Verfolgung in Eritrea entkommen.

Flüchtlingsrat macht "Pegida" für das Klima in Dresden verantwortlich

Sozialarbeiter, der Sächsische Flüchtlingsrat und weitere Initiativen machen die Demonstrationen von "Pegida" für ein Klima in Dresden verantwortlich, das solche rassistischen Übergriffe begünstige, berichtet die "Sächsische Zeitung". Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) sagte, sie sei schockiert und hoffe, dass die Tat schnell aufgeklärt wird. Spekulationen, in welche Richtung auch immer, seien fehl am Platz.

Spekulationen gibt es vor allem wegen der gegenüber Flüchtlingen feindlichen Atmosphäre in Dresden, nicht zuletzt wegen der immer größer werdenden Montagsdemonstrationen der "Pegida". Zwar ist bisher keinerlei Zusammenhang mit "Pegida" sichtbar, aber die durch "Pegida" aufgeheizte Atmosphäre ist eine Realität, die die Wahrnehmung der Menschen offensichtlich beeinflusst.

Spekulationen gibt es aber auch wegen des Verhaltens untergeordneter Polizeibeamter. In einer ersten Pressemitteilung der Polizei hieß es, es gebe "Keine Anhaltspunkte auf Fremdeinwirkung“. Erst auf eindringliche Nachfragen der "Dresdner Morgenpost" beim Polizeichef Dieter Kroll ergab sich ein erstes anderes Bild. Erst 30 Stunden nach der Tat rückte die Spurensicherung an. Später am Mittwoch dann gab der Polizeichef gegenüber der "Dresdner Morgenpost" bekannt, dass das Opfer mit Messerstichen getötet wurde. Auffallend ist, dass es offenbar der Polizeichef selber war, der sich später um Offenheit bemühte und Erkenntnisse lieber selber bekanntgab, als das Untergebenen zu überlassen.

Die Staatsanwaltschaft gab am Mittwochnachmittag eine Pressemitteilung heraus, wonach das Opfer am Dienstag um 7 Uhr 40 gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft Dresden habe Ermittlungen wegen Totschlags aufgenommen. Die Mordkommission der Dresdner Polizei sei auf 25 Beamte aufgestockt worden. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf Befragungen der Mitbewohner des 20-Jährigen.

Hotel wird auf Druck von Anwohnern nicht zu einem Asylbewerberheim umgebaut

Am Dienstag war bekanntgeworden, dass der Eigentümer eines Hotels in Dresden ein Angebot zurückzog, sein Haus als Asylbewerberheim an die Stadt zu vermieten. Als Grund nannte er nach Angaben der Stadtverwaltung massiven Widerstand „aus der Bevölkerung und dem näheren Umfeld“, etwa asylkritische Schmierereien am Hotel und Gewaltdrohungen in sozialen Netzwerken. (mit epd und dpa)


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